Bekanntlich ist der Putsch gegen den Präsidenten gescheitert. Chávez ist wieder an der Macht, und Gründe zur Sorge gibt es viele - von der Unsicherheit hinsichtlich seines politischen Kurses und der inneren Stabilität des Landes bis zu den andauernden Lieferschwierigkeiten des staatlichen Ölkonzerns, der zu wenig in die Modernisierung seiner Produktionsanlagen investiert hat und noch immer in einer tiefen Führungskrise steckt.

Die verbesserte Wirtschaftslage hat das Gewicht dieser politischen Risiken noch vergrößert. Immerhin ist nicht auszuschließen, dass die Lage im Nahen Osten völlig außer Kontrolle gerät.

Gleichwohl ist die jetzige Situation nicht mit der Ölkrise der siebziger Jahre zu vergleichen. Zum einen werden beträchtliche Produktionskapazitäten der Opec - fast 7 Millionen Barrel täglich - nicht abgerufen

die Hälfte davon liegt in Saudi-Arabien, das diese Woche erneut seine Bereitschaft bekräftigt hat, "Engpässe" zu überbrücken, um die Stabilität des Marktes zu sichern.

Der Westen braucht weniger Öl

In der Tat: Keines der Öl produzierenden Länder hat das geringste Interesse an Unterbrechungen seiner Exporte. Schließlich verdanken sie ihren Kunden den größten Teil ihrer Volkseinkommen. Wie groß ihre kurzfristigen Gewinne durch einen Anstieg der Ölpreise auch sein mögen - langfristig wäre es für sie von Nachteil. Wie schon in den achtziger Jahren würden sie nach und nach ihre Märkte einbüßen. Diesmal aber würde der Preisanstieg auch noch den bereits bestehenden Trend zur Verlagerung von Investitionen nach Russland und die Staaten am Kaspischen Meer fördern. Eine Unterbrechung der Öllieferungen würde zudem einen heftigen Einbruch der Weltwirtschaft bedeuten. Kurzfristig stark ansteigende Preise würden deshalb schnell abgelöst durch sehr niedrige Preise und einen Zusammenbruch der Investitionen.

Hinzu kommt schließlich, dass die Ökonomien der Exportländer heute - anders als vor 30 Jahren - stark mit denen ihrer Kunden verwoben sind: Wirtschaftskrisen im Westen würden die Ölnachfrage sofort sinken lassen. Ein Börseneinbruch im Westen würde für einige Lieferländer zudem bedeuten, dass ihre Aktienportfolios erheblich an Wert verlören.