Die Illusion vom selbstbestimmten, ungehinderten Fortkommen, die Hoffnung auf ein Stück Freiheit, bindet den Menschen an das Automobil. Auch wenn in Wahrheit niemand fahren darf, wie er will: Die Idee von der Freiheit des Fahrens ist durch kein Fahrverbot zu vernichten. Doch diese Idee ist neuerdings bedroht: Intelligent Speed Adaption, ISA, heißt der Feind der Freiheit. Sein Angriff ist deshalb so hinterhältig, weil er nicht die Sache selbst, das freie Fahren, im Visier hat, sondern das Gegenteil, das freie Bremsen.

Denn ISA, der "intelligente Geschwindigkeitsadapter", soll - wenn es nach dem Willen mancher EU-Politiker geht - künftig Gaspedal und Bremse auch gegen den Willen des Fahrers bedienen können. Dann ist es vorbei mit der flotten Fahrt in der verkehrsberuhigten Zone. Kaum überschreitet die Tachonadel die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer, greift ISA ein und tritt an Fahrers Stelle auf die Bremse.

Die ferngesteuerte Zwangsbremsung ist nicht nur ein technischer Fortschritt.

Auch die politische Wirkung ist beachtlich: Letztlich nimmt uns das Steuergerät die schwer zu tragende Freiheit ab, Gesetze eigenmächtig zu überschreiten. Wenn aber Gesetze nicht mehr überschritten werden können, dann sind sie in letzter Konsequenz überflüssig.

Wollen wir das? Dank BMW müssen wir uns mit der Beantwortung der Frage nicht länger quälen. Dessen Vorstandsmitglied Burkhard Göschel verkündet bereits das Gegenkonzept zum unfreiwilligen Bremsregelvollzug. In BMWs ConnectedDrive dominiert ebenfalls die Technik, aber sie trägt ein menschliches Antlitz.

Harmonischer Dreiklang ist angesagt, "das Zusammenspiel von Fahrer, Fahrzeug und Umwelt". Mithilfe von Telematik, Online-Diensten und Fahrerassistenzsystemen will BMW den virtuellen Beifahrer basteln, "der dem Fahrer im richtigen Moment die richtigen Informationen richtig aufbereitet liefert". Der Fahrer behalte das Steuer in der Hand, wirbt Göschel. Dem fremdgesteuerten Bremspedal setzt BMW das "aktive Gaspedal" entgegen, das, statt brutal einzugreifen, "mit gezieltem Druck gegen den Fahrerfuß weniger Tempo anmahnt".

Wie schmal ist doch der Grad zwischen Entmündigung und Freiheit! Welcher Fahrer würde sich nicht gern von den sanften Ermahnungen eines netten virtuellen Assistenten überzeugen lassen? Der amerikanische TV-Star David Hasselhoff, der seine Popularität einer Fernsehserie verdankt, in der ein menschenähnlicher Pontiac namens Kit die Hauptrolle spielte, wurde damals gefragt: "Könnte es sein, dass Ihr Auto Ihnen intellektuell überlegen ist?"