Es war einmal ein Mädchen aus Salzuflen, das hatte einen Vater, der hörte gerne Schlager, und sein großer Bruder war Punk. Weil es keine Lust hatte, Stellung zu beziehen, ließ das Mädchen eines Tages die beiden in den Boxring steigen. Und während sie sich schlugen, packte es seinen Koffer, nahm den Zug nach Hamburg und schaute nicht zurück. Es beschloss, von nun an Bernadette La Hengst zu heißen, gründete eine Band und sang mit kalter Miene dramatische Lieder. Zehn Jahre später: Die Braut haut ins Auge, eine der lustigsten All-Girl-Groups des Landes, haben sich aufgelöst. Bernadette La Hengst, das herzlose Schmuddelkind mit den schmalen Lippen, arbeitet auch auf ihrem neuen Soloalbum Der beste Augenblick in deinem Leben ist gerade eben jetzt gewesen (Trikont/Vertrieb: Indigo) weiter an ihrem großen Thema. Wie sich bei ihr Godard auf Au revoir reimt und drei Zeilen später "ICE" auf "WC", das ist Berechnung. Immer noch ich singt sie und meint, dass sie den Kitsch gegen den Protest mit einer Härte auszuspielen gelernt hat wie keine sonst. Aber keine Angst, mit dem Comeback des Schlagers vor ein paar Jahren, der sich etwas großspurig als Kriegserklärung gegen den moralischen Habitus der Altlinken verstand, hat das wenig zu tun. Während Stefan Raab und Guildo Horn in die hausbackene Heimatseligkeit ihrer Großväter zurückfielen, unterwandert La Hengst die miefigen Nischen des Undergrounds, das Leben der Bohème, die Bescheidenheit der Szene, indem sie sie in Gold taucht, in Glanz und Gloria.

Aber das ist längst nicht alles: La Hengst pirscht sich auch von der anderen Seite listig heran, zieht den Schlager durch das Hier und Jetzt, den Rausch und den Sex, die Politik und den Alltag. Und weil das alles so ungerührt kommt, macht es Spaß.

Manchmal klingelt es auf Bernadette La Hengsts neuer Platte nach deutscher Vorabendserie, oder ein Song stapft los wie Italo-Disco. Sie singt im Tonfall der Juliane Werding - Dies ist ein Lied, das ich schrieb -, und am einstudierten Pathos ihrer makellosen Stimme perlt jeder Versuch ab, ins Innere zu sehen. Auch, als es plötzlich scheppert wie Häuserkampf und Hafenstraße, kommt man nicht dahinter, was diese Maulheldin umtreibt. Egal, ob von schönen Masochistinnen oder Romantikerinnen, immer singt sie mit einem Kult der Kälte im Unterton, als ginge sie das alles nichts an. La Hengst ist die gnadenlose Beobachterin, die lieber andere bluten lässt. Das macht ihr Album so elegant und witzig, mondän, unverschämt und scharfsinnig.