Berlin

Das wahre Erfolgsgeheimnis? Japsend, verschwitzt und strahlend verriet einer der Torjäger der Kölner Haie, die ein paar Sekunden zuvor die Mannheimer Adler bezwungen hatten und Deutscher Eishockey-Meister geworden waren, den Grund für ihren Überraschungserfolg: "Wir haben den Sieg ein bisschen mehr gewollt."

Ein bisschen mehr siegen wollen? Nein, auch nach dem fulminanten Erfolg der Union in Sachsen-Anhalt ist es dem Kanzlerkandidaten nicht gegeben, seiner Siegeszuversicht allzu deutlichen Ausdruck zu verleihen. Etwas Zurückgenommenes liegt über seiner Kandidatur. Das macht seine Auftritte gar nicht unsympathisch im Reigen all der Selbstdarstellungskünstler, den Westerwelles, Fischers und Schröders. Und dennoch wirkt Stoibers hölzern-gehemmte Art unter den Bedingungen des Medienwahlkampfes fast wie ein früher Anflug von Resignation.

Je unverblümter der Kanzler den Wahlkampf als Konfrontation zwischen den beiden Gallionsfiguren inszenieren will, umso hartnäckiger widersetzt sich der Herausforderer diesem Ansinnen. Stoiber interessiert sich, so erklärt er unentwegt, für die Politik, die Sache, die Inhalte. "Ein Bundeskanzler, dem es nur um die Auseinandersetzung zweier Persönlichkeiten geht, der tut mir fast ein bisschen leid", sagt er am Tag nach dem Sachsen-Anhalt-Erfolg im Berliner Konrad-Adenauer-Haus. Nur wirkt auch der Gestus mitfühlender Überlegenheit ein wenig aufgesetzt.

Es ist ja auch nicht leicht zu erkennen, was die Inhalte, die der Kandidat den Wählern anzubieten hat, so viel attraktiver machen soll als die der Konkurrenz (siehe unten). Das Problem, sich von der Politik einer moderaten rot-grünen Koalition grundsätzlich abzuheben, hat die Union während der gesamten Legislaturperiode nicht zu lösen vermocht. Genau darin lag ja für einige der Reiz eines "kantigen" Kanzlerkandidaten, der die erzwungene Nähe im Programmatischen mit schneidigem Habitus hätte konterkarieren sollen. Nun kommt der Kandidat so schneidig nicht daher, hat aber auch auf dem von ihm bevorzugten Feld der Inhalte im Grunde nur das Schrödersche Versprechen von vor vier Jahren parat. Nicht alles anders, aber vieles besser machen zu wollen - plus einem Schuss Lafontaine, ohne den sich wohl keine Opposition den erfolgreichen Weg an die Macht zutraut. Also verspricht Stoiber Steuersenkungen, deren Finanzierung bisher ebenso unklar bleibt wie die eines Kindergeldes, das jungen Familien geradezu paradiesische Zustände verheißt.

Das wird nicht reichen.

Duell um das Duell