Die Abgeordneten der Union zitieren in diesen Tagen oft einen Ausspruch von Franz Josef Strauß: Eine Oppositionspartei habe schon verloren, wenn sie nicht Alternative, sondern nur Variante sei. Unterscheidbar will man sein, endlich mehr Konturen zeigen - dafür soll das Wahlprogramm sorgen, das am kommenden Montag vorgestellt wird. Die Unionschristen streben ja einen Wirtschaftswahlkampf an, weil ihnen die Wähler in ökonomischen Fragen derzeit mehr zutrauen als der Regierung. Ohne markante Vorschläge wäre das schwierig.

Gelungen sind diese zum Teil. Den Reformbedarf im Sozialsektor deutet die Union nur an, in der Steuerpolitik hätte man sich mehr Mut gewünscht, und die Vorschläge der Union für einen Niedriglohnsektor sind nicht ausgefeilt genug.

Bei zwei Punkten schneiden CDU und CSU deutlich besser ab als die SPD, die ebenfalls gerade ihr Wahlprogramm fertig gestellt hat. Erstens nimmt sich die Union mit ihrem Slogan "Dreimal vierzig" (Staatsquote, Spitzensteuersatz, Lohnnebenkosten) immerhin vor, die Sozialabgaben zu senken. Im SPD-Programm steht dazu nichts, obwohl der Vorsatz, Arbeit billiger zu machen, lange eine zentrale sozialdemokratische Forderung war.

Zweitens behaupten die Unionschristen mit einem gewissen Recht, sie verfolgten im Gegensatz zur SPD eine Wirtschafts- und Sozialpolitik aus einem Guss. Bei allen Mängeln im Detail ist im Programm der Union doch eine einheitlichere Vorstellung davon zu erkennen, wie der Sozialstaat der Zukunft aussehen soll: Bei der Renten-, Pflege- und Krankenkasse würde den Versicherten in Zukunft mehr Eigenvorsorge abverlangt. Das Konzept für eine Gesundheitsreform, die Selbstbehalte und so genannte Pflicht- und Wahlleistungen einführt, ist anfechtbar und wird dem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber im Wahlkampf noch einigen Ärger bescheren - die SPD dürfte sich kaum entgehen lassen, gegen eine drohende "Zwei-Klassen-Medizin" zu wettern. Aber dafür werden die Sozialdemokraten bis zum Wahltag kaum erklären können, warum ihre Reformkonzepte für Steuern, Renten, Krankenkassen und den Arbeitsmarkt von ganz unterschiedlichen Prinzipien ausgehen.

Das Fazit kann Edmund Stoiber freuen: Der Gegner ist (noch) schlechter aufgestellt. In der Sozialpolitik hat Gerhard Schröder das Versprechen, nicht alles anders, aber vieles besser zu machen, nicht erfüllt.