In Deutschland wird ein Mann festgenommen

er scheint Kontakt zur Terrororganisation al-Qaida gehabt zu haben. Aus demselben Grund muss auch in Amerika ein Mann ins Gefängnis.

Im deutschen Fall hat die Polizei ein wichtiges Indiz, die Mitschrift eines Telefonats, das der Verdächtige kurz vor einem Anschlag mit dem Attentäter geführt hat. So geschehen vergangene Woche in Duisburg.

Im amerikanischen Fall hält die Polizei fast nichts in der Hand, nur ein Bildchen Osama bin Ladens aus einem Magazin, das in der Wohnung des Verdächtigen gefunden wird. So geschehen nach dem Anschlag vom 11. September 2001 in New York.

Die deutschen Behörden lassen ihren Mann am folgenden Tag laufen, mangels dringenden Tatverdachts. Die amerikanische Polizei nimmt ihren Mann mehr als sechs Monate lang in Haft, ohne den Verdacht erhärten zu können.

Zwei unvergleichbare Einzelfälle? Wohl nicht, eher ein Muster. Und diesseits wie jenseits des Atlantiks ein Anlass, übereinander herzufallen. In Deutschland erhebt sich ein Chor: Freiheitsberaubung - hat Amerika jeden Maßstab verloren? Auch in Amerika erhebt sich ein Chor, allerdings eher ein Kammerchor: Warum lässt Deutschland potenzielle Verbrecher entwischen? Will niemand den nächsten Anschlag verhindern? Ist es Deutschland ernst mit dem Kampf gegen den Terror?

Die Suche nach klaren Antworten bringt ein merkwürdig verschwommenes Bild hervor. Sieben Monate nach dem 11. September haben die Ermittlungen nicht das ganze Al-Qaida-Netz ans Licht gebracht, wohl aber die transatlantischen Meinungsverschiedenheiten darüber, was ein Rechtsstaat tun und besonders was er lassen muss.