Jetzt gibt es Computer zum Anziehen. Im Ärmel ist ein scheckheftgroßer Touchscreen eingearbeitet, aus dem Kragen ragt ein Mikrofon, die Taschen bergen PC und Digitalkamera. Notärzte der Rettungsleitstelle Regensburg laufen bereits in diesen futuristischen Cyberjacken mit dem Namen Noah (Notfall Organisations- und Arbeitshilfe) herum. Ursprünglich für das Militär entwickelt, sollen die Computer der Firma Xybernaut ("Wir haben die Hardwear erfunden") das zivile Leben erobern. Auch Industriemonteure bei Siemens und Web-Reporter vom ZDF laufen bereits in den Technojacken herum, erzählt Bernd Wiedmann von der Europazentrale des amerikanischen Unternehmens im schwäbischen Böblingen. Das Bodenpersonal am Londoner Flughafen Heathrow habe die im Doppelsinn tragbaren Computer ebenfalls schon getestet. Für den Normalmenschen bietet Xybernaut in Japan und den USA eine abgespeckte Version an, die in der Straßenkleidung Platz findet. Kostenpunkt: 1500 Dollar.

Wolf Hartmann, der Leiter des Bochumer Klaus-Steilmann-Instituts, schwärmt von einer Revolutionierung der Textilbranche. Nicht mehr nur die Optik werde den Trend diktieren, sondern die technische Innovation, die in der Klamotte steckt. Nicht nur Elektronik wollen die Ingenieure in die Kleidung stopfen.

In den Labors basteln sie außerdem an Textilien, die den Körper gezielt temperieren, Geruchsmoleküle aufnehmen oder Heilmittel absondern.

Bisher kennt man die "intelligente" Kleidung nur aus Berichten über Computerfreaks in den USA, die mit ihrer selbst gebastelten Vollverkabelung eher Mitleid erregen. Jetzt soll sich technische Innovation mit modischer Avantgarde paaren. In diesen Tagen stellt der Chipfabrikant Infineon zusammen mit der Deutschen Meisterschule für Mode in München eine Jacke vor, in der ein Audiomodul eingearbeitet ist, das seinem Träger Musik oder touristische Informationen in den Ohrstöpsel einspielt. Anders als bei den Apparaten von Xybernaut soll die Elektronik so verkapselt sein, dass man sie ohne Bedenken mit in die Waschmaschine stecken kann. Und der Träger verheddert sich auch nicht im Kabelsalat, weil in den Stoff eingewebte leitende Fasern für die Verbindung zwischen Gerät, Tastatur und Kopfhörer sorgen. Erste Produkte will Infineon in zwei bis drei Jahren auf den Markt bringen, künftige Versionen sollen über Sprachsteuerung und Satellitenortung verfügen.

Auch Sportler sollen von der textilen Technik profitieren. Trägt der Jogger heute lediglich einen CD-Player mit sich herum, so wird die Elektronik in Zukunft auch seine Körperfunktionen überwachen. Das Brüsseler Starlab entwickelt einen Trainingsanzug, der den Läufer per Computerstimme antreibt, wenn er zu lahm wird. Die Schuhe analysieren zugleich den Laufstil. Sensoren messen Blutdruck, Puls und Körpertemperatur. Und wer unterwegs schlappmacht, der kann sich über das Handy im Ärmel ein Taxi bestellen. Bei Fußballern könnten entsprechende Trikots und Schuhe dafür sorgen, dass der Trainer vom Spielfeldrand aus ihre Form überwacht und sie vor dem ersten Wadenkrampf auswechseln kann.

Hose mit Hirn und Geruchsbremse

Die Vordenker des wearable computing schwärmen von uneingeschränkter Kommunikation und Unterstützung in allen Lebenslagen: Beim Betrachten eines Artikels im Kaufhaus beispielsweise soll uns der PC in der Kleidung das Angebot anderer Läden in der Umgebung aus dem Internet holen und auf einem Display am Ärmel oder über eine spezielle Brille darstellen. Treffen wir einen Bekannten und kommen einmal wieder nicht auf den Namen, dann soll er dessen Gesicht in einer Datenbank aufstöbern und uns dezent den Namen ins Ohr flüstern.