An diese Rollenverteilung haben wir uns gewöhnt: Die schlimmen Amerikaner drohen der "Achse des Bösen" mit Gewalt, die guten Europäer mahnen zur Mäßigung und setzen auf die Autorität der UN. Doch zuweilen wird Vertrauensseligkeit herb enttäuscht. Nachdem die UN-Menschenrechtskommission bereits Resolutionsentwürfe der EU zu Simbabwe und zum russischen Vorgehen in Tschetschenien abgelehnt hatte, wies sie jetzt auch den Antrag zurück, Iran wegen Menschenrechtsverletzungen zu verurteilen. Erstmals seit vielen Jahren blieb das Mullah-Regime ungerügt. Haben sich die Verhältnisse dort etwa gebessert? Keineswegs. Zur erschreckenden Bilanz gehören die hohe Zahl von Todesurteilen, die Anwendung der Folter, öffentliche Auspeitschungen und Steinigungen sowie die gängige Praxis, Oppositionelle einfach verschwinden zu lassen.

Doch Iran erfreut sich der Protektion eines Klubs, der die Reihen fest geschlossen hat. Als sein mächtigstes Mitglied profiliert sich China. Eben erst bekräftigte Präsident Jiang Zemin beim Staatsbesuch in Teheran, es sei ein Ziel chinesischer Politik, "Entwicklungsländer vor amerikanischen Drohungen zu schützen". Als eine solche fasst der große Freund nicht zuletzt das Drängen auf Einhaltung der Menschenrechte auf. Und zwar auch, wenn es aus Europa kommt. Ernüchternd für alle, die in den UN die oberste Instanz der Welthumanität sehen wollen: Sie ist so gut wie die Staaten, die in ihr den Ton angeben. In der Menschenrechtskommission tut dies zurzeit die Achse der Menschenrechtsverletzer.