die zeit: Herr Minister, zeigt der Anschlag von Djerba, dass wir auf einem Pulverfass sitzen?

Otto Schily: Wir leben in einer gefährdeten Welt, alles andere wäre eine Illusion. Die Bedrohung durch einen weltweiten islamistischen Terrorismus ist noch nicht vorüber, obwohl die militärischen Operationen in Afghanistan durchaus erfolgreich waren.

zeit: Erfolgreich? Osama bin Laden läuft anscheinend noch immer frei herum, seine Terrororganisation - siehe Djerba - plant und mordet weiter.

Schily: Ob al-Qaida etwas mit dem Anschlag in Djerba zu tun hat, können wir noch nicht sagen. Aber unabhängig davon, auch wenn die Lage in Afghanistan immer noch sehr labil ist - dort war der militärische Einsatz erfolgreich.

Denn der ermöglichte erst weitere Schritte. So haben wir Deutschen die Führungsrolle beim Aufbau einer zuverlässigen Polizei übernommen. Auch das ist Terrorismusbekämpfung.

zeit: Jeden Tag tauchen irgendwo aus dem Nebel neue Informationen über das weltweite Netz von al-Qaida auf. Haben wir unsere polizeilichen Fähigkeiten überschätzt?

Schily: Das sind eher Spekulationen als Informationen. Ein solches Netz auszuleuchten braucht viel Zeit. Wir sollten uns nicht einbilden, wir hätten bereits einen vollständigen Überblick über die al-Qaida-Strukturen. Dafür sind sie zu verzweigt, und die Mitglieder kommunizieren zu konspirativ.