die zeit: Hunderte von europäischen Wissenschaftlern, unter ihnen so prominente wie die Biologen Richard Dawkins oder Steven Rose, rufen gegenwärtig dazu auf, die wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit israelischen Forschern einzufrieren, bis Israel ernsthafte Friedensverhandlungen mit den Palästinensern aufnimmt. Auch israelische Professoren haben den Boykottaufruf unterzeichnet. Was halten Sie davon?

Rivka Feldhay: Ich habe nicht unterschrieben. Natürlich haben europäische Forscher das Recht, als Intellektuelle wie als Bürger, wegen des Unrechts der Besatzung und der Demütigung des palästinensischen Volkes moralischen Druck auf Israel auszuüben. Aber einen solchen Aufruf zu formulieren, ohne den Terror der palästinensischen Selbstmordattentate auch nur zu erwähnen, ist unmoralisch. Ineffektiv ist solch ein kollektiver Bann obendrein. Die meisten israelischen Wissenschaftler gehören ohnehin seit Jahren zur Opposition und lehnen die Besatzungspolitik von Scharon ab. Vor allem ist es genau das falsche Zeichen, die wissenschaftliche Kommunikation in dem Moment zu unterbrechen, wo Körper öffentlich die Worte ersetzen. Die Selbstmordattentate sind eine entsetzliche Form der Körpersprache, das Ende der symbolischen Funktion menschlicher Sprache. Dieser Logik darf man sich nicht anschließen.

zeit: Der Umweltwissenschaftler Hillel Shuval von der Hebrew University hält dem Boykottaufruf entgegen, er zerstöre die letzte Verbindung zwischen Israelis und Palästinensern, nämlich das wissenschaftliche Gespräch.

Feldhay: Genau so ist es. Diese Verbindung besteht allerdings seit so langer Zeit, dass sie sich nicht ohne weiteres durch den Entzug von Geld zerstören lässt. Dennoch: Der Aufruf schwächt uns Forscher und arbeitet damit unserer Regierung zu.

zeit: Müssen denn israelische Wissenschaftler gegenwärtig vonseiten der Regierung mit Einschränkungen ihrer Arbeit rechnen?

Feldhay: Ja. Die Unterzeichner des Boykotts verkennen offenbar auch, dass wir Wissenschaftler ohnehin stark unter Druck stehen: Israels ultranationale Ministerin für Bildungsfragen, Limor Livnat, versucht uns zu isolieren und zu behindern.

zeit: Was heißt das für die Universitäten?