Feldhay: Forschung und Lehre werden hier in Israel durch einen Rat für akademische Ausbildung finanziert. Die neue Ministerin hat dieses Gremium in den vergangenen Monaten neu besetzt, um die Universitäten zugunsten von regierungsnahen Wissenschaftlern zu schwächen. Mit Erfolg.

zeit: Sie haben selbst jahrelang ein Forschungsprogramm zur Rolle Europas im Nahen Osten geleitet, in dem Juden, Araber und Europäer bis 1998 gemeinsam arbeiteten. Würden Sie heute ein vergleichbares Projekt beginnen, was wäre anders?

Feldhay: Die Angst auf beiden Seiten ist heute so groß, und die Gewalt hat den Umgang derart machtvoll verändert, dass wir es schwer hätten, zur Normalität eines gleichberechtigten Austauschs zu kommen. Ich weiß, dass es heute viel schwerer ist, Palästinenser zu gewinnen, mit Juden gemeinsam zu forschen. Nein, heute könnten wir nicht mehr so zusammenkommen wie vor Jahren, auch wenn wir uns in Seminaren hier und da treffen und sprechen - das betrifft zumindest die Araber unter den israelischen Staatsbürgern und die Juden.

zeit: Was ist aus den arabischen Wissenschaftlern ihres Forschungsprogramms geworden?

Feldhay: Sie sind heute fast alle in sicheren akademischen Positionen an den Universitäten des Landes. Dazu konnten solche Projekte beitragen. Wir haben einen öffentlichen Raum geschaffen, in dem Araber frei und als Gleiche zu Wort kamen. Heute müssten wir neu anfangen.

zeit: Wie könnte ein Neuanfang aussehen?

Feldhay: Gegenwärtig wird doch aus zweierlei Gründen gekämpft: wegen des Unrechts der Besatzung, dem wir ein Ende setzen müssen