und wegen unserer elementaren Unsicherheit, worauf der Kampf eigentlich zielt - geht es um das Rückkehrrecht der Flüchtlinge nach Israel oder um die Zerstörung des Staates Israel? Die Angst ist mächtig. Sie zu zerstreuen ist eine Arbeit von gewaltigen Ausmaßen. Und auf der palästinensischen Seite herrschen exakt dieselben Ängste, das vergessen Israelis leicht.

zeit: Schon Ehud Barak hat gesagt: "Es ist niemand mehr da, mit dem wir sprechen können." Die Erfahrung scheint ihm Recht zu geben.

Feldhay: Das Ende der Sprache, des Symbolischen, kommt dem Ende der Zivilisation gleich. Zu sprechen heißt zu lieben, Sprache ist Interaktion.

Allerdings ist Sprache Segen und Fluch in einem: Sie spaltet den Menschen auch, sie ist zugleich ein Ausdruck der Entfremdung, der zerstörten Unmittelbarkeit. Diese Fremdheit ertragen viele nicht. Die Redensart sagt: Bauch und Kopf stimmen nicht überein. Diese innere Spaltung wird durch Sprache geschaffen - und hoffentlich überbrückt.

zeit: Gegen die verfehlte Verständigung kann man sich wehren, indem man weiterspricht, nach besseren Worten sucht. Oder indem man Sprache verweigert.

Feldhay: Die Selbstmordattentäter haben den zweiten Weg gewählt. Daran ist nichts, gar nichts zu rechtfertigen. Aber die politische Sprache war eben allzu oft leer. Die Siedlungen wurden weitergebaut, während über Frieden verhandelt wurde. Doch die Tatsache, dass die Sprache, der Dialog zehnmal gescheitert sind, heißt eben nicht, dass sie auch ein elftes Mal scheitern müssen. Wer sich in sich selbst verschließt, ist so gut wie tot. Statt uns zu verschließen, müssen wir vollständiger zu sprechen lernen, nämlich über das hinausgehen, was dem eigenen Ego schmeichelt. Wir müssen von der Situation des anderen her zu denken lernen. Man kann nicht Vertrauen schaffen, indem jede Seite nur an den eigenen Vorteil denkt. Das heißt, neu sprechen zu lernen. Über das Rückkehrrecht, über Jerusalem, über alles.

zeit: Mit wem sprechen Sie auf neue Weise?