Doch wie sah seine Regentschaft wirklich aus, wer war dieser König eigentlich?

Al Mutawakale Alal Lah (auf Gott vertrauend) Mohammed Zahir Schah, Padischah Afghanistan, so lautete einst sein Name samt Titel. Geboren am 15. Oktober 1914 in Kabul, entstammt er dem paschtunischen Stamm der Mohammed Saei aus der Gegend von Kandahar, einer Dynastie, die seit dem 18. Jahrhundert Afghanistan beherrscht hat.

Nach seiner Schulzeit in Kabul wurde er zur Weiterbildung nach Frankreich geschickt. Dort lebte sein Vater, General Mohammed Nadir, der Anfang der zwanziger Jahre Afghanistan in Paris vertrat. Dieser war jedoch bald mit König Amanullah zerstritten, der sein Land 1919 aus britischer Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit geführt hatte. Vor allem Amandullahs Reformpläne - ob nun zur Frauenbildung, zur Abschaffung der Polygamie oder zur Einschränkung der Macht der Geistlichkeit - behagten dem Botschafter-General nicht. Mohammed Nadir nahm seinen Abschied und genoss fortan das schöne Leben in Nizza.

1929 wurde Amanullah mit britischer Hilfe und Unterstützung der erzkonservativen Mullahs gestürzt. Der neue Herrscher Batschae Saqau, ein krimineller Despot, hielt sich allerdings nicht lange; noch im selben Jahr 1929 ließen ihn seine stillen Kombattanten fallen, holten General Mohammed Nadir zurück nach Afghanistan und machten ihn zum König. Unter seiner Regentschaft durfte die Geistlichkeit wieder schalten und walten, wie sie wollte. Sein Sohn und Thronfolger, Prinz Mohammed Zahir, absolvierte derweil die Kriegsschule in Kabul und wurde 1932, mit 18 Jahren, zum stellvertretenden Kriegs- und 1933 zum Erziehungsminister ernannt.

Als sein Vater am 8. November 1933 einem Attentat zum Opfer fiel, ernannte man den jungen Mohammed Zahir zum König. Es heißt, "der kleine Prinz" habe geweint, als er zur Krönung gebracht wurde. Nominell war er zwar jetzt der Herrscher, tatsächlich aber regierte sein Onkel, Ministerpräsident Prinz Mohammed Haschem Chan - und zwar mit eiserner Faust. Nach außen betrieb er eine Politik der absoluten Isolation, nach innen erstickte er jede demokratische Opposition im Keim. Wer immer es damals wagte, die Stimme zu erheben, musste mit langjähriger Kerkerhaft rechnen, manchen brachte die Folter um Verstand und Leben. Friedhofsruhe lag über dem Land.

Eine kleine Geschichte erhellt die Atmosphäre jener Jahre. Haschem Chan gehörte das Dorf San-Abad (das heißt: Von Frauen erbaut), das er kurzerhand in Nau-Abad (Neu erbaut) umbenannt hatte. Bisweilen suchte er es auf. Bei einem dieser Besuche vermisste er plötzlich die Truthühner - Hunderte von Truthühnern, die hier für die Palastküche gemästet wurden. Die aufgeschreckten Hüter eilten herbei und gestanden, dass die Vögel die Ankunft des Prinzen nicht bemerkt hatten: Sie waren einfach im Schatten ihrer Lieblingsbäume liegen geblieben. Haschem Chan ging nun selbst hin und rief nach ihnen, sie rührten sich aber nicht. Er befahl, die Tiere bis zu seinem nächsten Besuch in einen Hof zu sperren und ihnen kein Futter mehr zu geben. Eine Woche später kehrte er wieder, die Tiere waren immer noch in ihrem Gefängnis. Haschem Chan rief sie und warf ihnen Futter hin. Da stürmten sie herbei, bis Seine Hoheit regelrecht umzingelt waren. Zufrieden bemerkte der Ministerpräsident, dass er so auch sein Volk stets behandeln wolle: "Wenn es übersättigt ist, ignoriert es dich, wenn es aber Hunger hat, liegt es dir zu Füßen."

Von solcherart Regierungskunst geprägt, entwickelte sich der junge Zahir Schah allmählich zu einem kleinen Sonnenkönig. Er liebte die Frauen und die Jagd. Einen Harem - den hatte König Amanullah abgeschafft - führte er zwar nicht wieder ein. Dafür aber griff er gern in absolutistischer Manier nach allen Schönen des Landes. Ein eigener "Kuppler" stand stets dafür bereit, sein Gholam-Batschah, ein Page, der für den König auf Frauensuche ging.