Erste Anzeichen sprechen allerdings dagegen. Mit einer Risikoübernahme von knapp 22 Milliarden Euro schob der Senat kürzlich den Konkurs der landeseigenen Bankgesellschaft ein weiteres Mal hinaus. Derweil drohen die Berliner Wasserbetriebe (BWB) weitere Milliardenlöcher in den hauptstädtischen Haushalt zu reißen.

Halbherzig teilprivatisiert, müssen die Wasserwerke seit Jahren beinahe planmäßig defizitäre Töchter und ein aufgeblähtes Management finanzieren. Beispielsweise pumpen die Berliner einen Teil der hauptstädtischen Wassergelder in die Lausitz. Dort produziert der Müllverwerter SVZ Schwarze Pumpe, eine hundertprozentige BWB-Tochter, täglich fünfstellige Verluste. Seit sieben Jahren zahlt die Recyclingfabrik für ihre Rohstoffe mehr, als sie beim besten Willen für ihre Produkte erlösen kann.

Konkurs ausgeschlossen

Doch trotz der faktischen Pleite kann die Schwarze Pumpe nicht Konkurs anmelden; die Berliner Wasserbetriebe halten ihre Tochter liquide. Zu den ständigen Finanzspritzen, die als "Forderungen an verbundene Unternehmen" in der BWB-Bilanz auftauchen, haben sich die Wasserwerke 1995 privatrechtlich verpflichtet. Damals verlangten Banken zur Sicherung eines 200-Millionen-Mark-Kredites eine Garantieerklärung, nach der die Eigenkapitalquote der Schwarzen Pumpe nicht unter 20 Prozent sinken darf. Ansonsten muss der Wasserversorger den eigenen Geldhahn aufdrehen.

Die Berliner Wasserbetriebe selbst sind quasi immer liquide. Das garantiert das Land Berlin, das 1994 für die Wasserbetriebe als Anstalt öffentlichen Rechts in die Anstaltslasten- und Gewährträgerhaftung ging. Konsequenz: Das Land zahlt alle Verbindlichkeiten - und holt sich das Geld von den Hauptstadtbewohnern über den Wasserpreis zurück. Der liegt seit sechs Jahren zwar unverändert bei etwa vier Euro pro Kubikmeter und damit im bundesdeutschen Mittelfeld; aber nur, weil er per Gesetz bis 2003 nicht erhöht werden darf und die Wasserwerke bis dahin die Verluste vor sich her schieben müssen. Danach werden die Berliner für das Nass bis zu 20 Prozent mehr bezahlen müssen, ist beim Wirtschaftssenat zu erfahren. Die Wasserbetriebe selbst nennen keine Zahlen. Man habe derartige Szenarien nicht berechnet, wiegelt Stefan Natz, Sprecher des Hauses, ab.

Das Desinteresse ist verständlich. Schließlich befinden sich die Wasserwerker in einer komfortablen Situation. Wettbewerb findet praktisch nicht statt. Und selbst den marktwirtschaftlichen Schwung aus der Teilprivatisierung 1999 vermochte der monopolistische Staatsbetrieb erfolgreich zu drosseln. Zusammen mit dem CDU-Strippenzieher Klaus Landowsky, der im vergangenen Jahr über die Berliner Bankgesellschaft stolperte und das Diepgen-Imperium mit in den Abgrund riss, bastelte man einen Konzern, "dessen rechtliche Struktur derjenigen der Berliner Bankgesellschaft nachgebildet ist", sagt Harald Wolf, haushaltspolitischer Sprecher der PDS-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Die undurchsichtige Konzernstruktur aus Holding, Anstalt und Wettbewerbsgeschäft sei so verwirrend, dass alle Verantwortlichen nach kurzer Zeit das Handtuch geworfen hätten, erzählt Wolf. Das Land Berlin habe 1999 lediglich 1,7 Milliarden Euro von den Investoren RWE (Essen) und Vivendi (Paris) kassiert und sei seitdem als Mehrheitseigner und Konzernlenker nicht mehr in Erscheinung getreten. Im Wirtschaftssenat kursieren Anekdoten über Senatoren, die während endloser Aufsichtsratssitzungen die eigene Post erledigten oder in Strickjacken vor sich hin dämmerten.