Lord John Browne: Er wird schwanken. Das ist leider das Genaueste, was man sagen kann. Aber Spaß beiseite: Die Ölnachfrage ist etwas höher, als wir alle nach der Tragödie des 11. September erwartet hatten - während die Opec ihr Angebot begrenzt hat. Momentan ist der Markt ungefähr ausgeglichen. Für das erste Halbjahr erwarte ich einen Preiskorridor von 20 bis 25 Dollar pro Fass, vielleicht zeitweise etwas mehr wegen des politischen Risikozuschlags. Wie sich der Preis danach entwickeln wird, hängt vor allem von der Weltkonjunktur ab - und davon, ob sich die Opec entschließt, etwas mehr Öl zu fördern.

zeit: Auch vom Konflikt im Nahen Osten?

Browne: Er wird voraussichtlich für einen Risikozuschlag auf den Ölpreis sorgen. Die Gefahr eines Angebotsengpasses sehe ich jedoch nicht. Es gibt genug Öl. Und wenn sich tatsächlich ein Land zu einem Produktionsstopp entschließen sollte, wird ein anderes Land die Lücke schließen. Die Ölproduzenten sind bevölkerungsreiche Nationen; sie sind auf die Deviseneinnahmen angewiesen. Das unterscheidet die heutige Lage von der Situation der siebziger Jahre. Die Verbraucher müssen keine Engpässe fürchten.

zeit: Für den Profit von BP wären doch hohe Preise gar nicht so schlecht, oder?

Browne: Richtig, hohe Ölpreise vergrößern unseren Gewinn. Aber wir richten unsere Unternehmensstrategie nicht am Auf und Ab der Preise aus; wir orientieren uns nicht am Spotpreis. Im Übrigen: Wenn der Ölpreis wirklich dauerhaft stark steigt, sagen wir auf mehr als 25 Dollar, dann müssen wir mit dem Widerstand der Verbraucher rechnen. Sie kaufen weniger und klagen uns wegen der hohen Gewinne an - obwohl wir den Profit nicht an der Zapfsäule machen, sondern am Bohrloch. Aber ich gebe zu: Diese Zusammenhänge sind so kompliziert, dass man sie der Öffentlichkeit kaum erklären kann.

zeit: Im Jahr 2001 erzielte BP einen Gewinn von 13,2 Milliarden Dollar, vor allem durch die Förderung von Öl und Gas. Die Nutzung beider Produkte trägt zur Erderwärmung bei. Wie passt das zu Ihrem Bekenntnis zu sauberem Wachstum?

Browne: Wir wollen doch alle, dass die Armen auf der Erde reicher werden. Dazu brauchen sie Energie. Es gibt aber für die nächsten 30 bis 50 Jahre gar keine andere Wahl als Öl und Gas. Die Frage ist also nur, wie man diese Kohlenwasserstoffe in Zukunft besser, effizienter nutzen kann. Genau darum bemühen wir uns.