Und sie schreiben Kündigungen wie René Serge Mund, der Generalintendant der Theatergemeinschaft Altenburg und Gera - zwei von vielen schmucken kleinen Theatern, die in Thüringen an der Autobahn Eisenach-Dresden aufgereiht sind wie Perlen an einer schönen Kette. Vor acht Jahren wurden die beiden Dreispartenbühnen fusioniert, weil sie allein nicht mehr existieren konnten.

Von 700 auf jetzt 360 Mitarbeiter ist Serge Munds Theaterbetrieb durch die Zusammenlegung geschrumpft und immer noch einer der größten Arbeitgeber vor Ort. Altenburg hat 40 000 Einwohner und eine Arbeitslosenquote von über 20 Prozent. Die Theaterfusion sollte die Existenz der Bühnen langfristig sichern. Aber vor zwei Jahren musste der Intendant erneut eine Subventionskürzung von vier Millionen Euro verkraften. Und jetzt schreibt er mit seinem Füller blaue Zahlen auf den Glastisch in seinem Büro, die eigentlich schon wieder tiefrot sein müssten.

Bis aufs Gerippe abgemagert

Es sind nicht nur die jährlichen Tariferhöhungen, die ihm den Etat scheibchenweise ruinieren. In den neuen Bundesländern muss bis zum Jahr 2007 auch die Angleichung der Ostgehälter von 87 Prozent auf 100 Prozent Westniveau geschafft werden. So hat es die Bundesregierung beschlossen.

Zusätzliche Subventionen für die Theater gibt es dafür nicht, und die Einnahmen zu steigern wird für alle immer schwieriger. Also rechnet Serge Mund die Kostensteigerungen schon mal prophylaktisch in Stellenkürzungen um.

"Wären in den nächsten fünf Jahren 13 bis 16 Entlassungen pro Jahr", sagt er und versucht dabei irgendwie noch optimistisch zu lächeln.

Wer von Serge Mund aus Gera wieder abreist, schreibt sich den einfachen harten Satz ins Notizbuch: Das deutsche Stadttheatersystem ist nicht mehr finanzierbar. Punkt. Man hätte genauso gut ein anderes Theater besuchen können zwischen Rostock und Nordhausen, Schwerin und Potsdam, um von der hohen Kunst der Mangelverwaltung zu berichten. Aber auch an vielen Häusern im Westen rumort es, drohen Spartenschließungen und Orchesterfusionen. "Der Mittelstand unter den Theatern ist bis aufs Gerippe abgemagert", bestätigt Georges Delnon, der Intendant des Staatstheaters Mainz. Und die Geldgeber der öffentlichen Hand dafür als Kulturbanausen zu kritisieren fällt immer schwerer. Die Intendanten sehen selbst die Finanznot in ihren Kommunen, die fehlenden Gewerbesteuereinnahmen, die hohen Sozialkosten, die rabenschwarzen Ertragsprognosen für die Zukunft.