Viel beschäftigt und heftig umworben war Johannes Ludewig in den letzten Wochen. Der Bonner Staatssekretär a. D. und ehemalige Chef der Deutschen Bahn AG hatte sein Büro in Berlin-Schönefeld, wo er die IVG Holding bei der Planung des künftigen Großflughafens beriet. Während er für die CDU Wahlkampf in Sachsen-Anhalt machte, wartete im benachbarten Freistaat Sachsen ein Amt in der von Biedenkopf-Nachfolger Georg Milbradt zu bildenden Regierung auf ihn. Doch der 56 Jahre alte Ludewig winkte ab: Er könne nicht Wahlkampf in Sachsen-Anhalt machen und dann Minister in Sachsen werden. In der Tat schien alles darauf hinauszulaufen, dass der gebürtige Hamburger mit Osterfahrung in der künftigen Magdeburger CDU/FDP-Regierung das Wirtschaftsressort übernimmt.

Doch nach einem abendlichen Gespräch mit dem designierten Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer (CDU) verzichtete Ludewig. Offensichtlich gab es Verständigungsprobleme mit dem ehemaligen Chefarzt. Zudem wartet in Brüssel bereits ein Job auf Ludewig. Auf Vorschlag der Deutschen Bahn wurde er schon Mitte März zum Exekutivdirektor der Gemeinschaft Europäischer Bahnen (GEB) gewählt. Auf dem neu geschaffenen Posten, daran zweifelt niemand, wird Ludewig den "bisher eher beschaulichen Laden" gehörig aufmischen und die Bahninteressen mit Nachdruck gegenüber der EU-Kommission vertreten.