Eigentlich schwer zu verstehen, warum in den vielen schicken Altbauwohnungen mit Holzböden derzeit kaum Teppiche liegen - ein streng gemusterter Gabbeh oder Kelim vertrüge sich doch gut mit Designermöbeln.

"Teppiche sind zurzeit einfach nicht schick", sagt Detlef Maltzahn, der Besitzer von Rippon Boswell & Co in Wiesbaden, dem einzigen Spezialauktionshaus für Teppiche.

Am 11. Mai werden dort wieder an die 180 Sammlerteppiche aus Anatolien, dem Kaukasus, Persien, Turkmenistan, Indien und China zur Versteigerung angeboten (www.ripponboswell-wiesbaden.de). Darunter finden sich auch so kostbare Exemplare, dass man sie nicht mit Füßen treten sollte - ein viereinhalb Meter langer Ersari mit Sternenmuster aus Zentralasien zum Beispiel, entstanden im frühen 19. Jahrhundert

Schätzpreis: 33 000 Euro.

1987 haben Maltzahn und seine Frau Christa das ursprünglich in Großbritannien gegründete Haus gekauft, in dem der Kunsthistoriker und die Kauffrau viele Jahre gearbeitet hatten. Damals war Rippon Boswell noch in Frankfurt angesiedelt, wohin das englische Unternehmen wegen eines unvergleichlichen Booms des deutschen Marktes in den sechziger und siebziger Jahren umgezogen war. Doch die Zeiten, als sich gut verdienende Ärzte und Anwälte Perser in die Praxen legten, sind vorbei. Der Markt für Sammlerteppiche sei auf etwa 3000 Liebhaber weltweit geschrumpft - "eine Arabeske des internationalen Kunstmarktes", sagt Maltzahn.

Für zwei Shakhrisyabz-Susani aus Usbekistan in delikaten Farben und mit floralen Ornamenten aus mohnroter Wolle, entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, kann er sich überhaupt nur drei private Interessenten vorstellen, je einen in den USA, in Deutschland und in Italien. Bei der Auktion im November 2001, der erfolgreichsten seit Bestehen des Hauses mit einem Umsatz von damals 2,7 Millionen Mark für 130 Teppiche, gingen ein gutes Drittel der Rechnungen nach Italien, gefolgt von den USA. Nur etwa ein Fünftel waren hiesige Sammler und vor allem Händler.

Charakteristisch für die jetzige Situation ist das Desinteresse bei jungen Leuten. Die angestammte Kundschaft ist kenntnisreich, zumeist akademisch gebildet, aber schon um die 60 Jahre alt. Außerdem sitzt das Geld für die hochkarätige, teure Knüpfware nicht mehr so locker. Hinzu kommt, dass erstklassige alte Ware knapp geworden ist.