Montagmorgen in Straßburg. Zwei junge Damen referieren über das Thema Textil und Logistik. Während die eine in perfektem Französisch Daten und Fakten vorträgt, bedient die andere einen Laptop. Grafiken, Statistiken und Bilder erscheinen auf der Leinwand. Die Zuhörer sind fein gekleidet: Männer mit Anzug und Krawatte - die Frauen im Business-Look.

Wer dieser Demonstration beiwohnt, der könnte meinen, er sei Gast bei einem Fachkongress einer internationalen Textilkette. Doch der Schein trügt: Die beiden Damen referieren nicht vor Managern, sondern vor Zuhörern der Management-Hochschule in Straßburg. Sie sind nicht einmal Französinnen: Christine kommt aus Soltau und ihre Freundin Savanne aus Sachsen. Ihre Muttersprache ist Deutsch. Beide studieren Betriebswirtschaftslehre unter dem Dach der Deutsch-Französischen Hochschule - einem Verbund, dem Universitäten aus Deutschland und Frankreich angehören. Eine davon ist die Management-Hochschule in Straßburg.

Vortragsveranstaltungen im eleganten Kostüm und Sakko sind hier keine Seltenheit. Das Ziel: Studenten sollen in ihrem Studium lernen, sich selbst und einen Sachverhalt so zu präsentieren, wie es später im Berufsleben gefragt sein wird. Was Unternehmen wünschen, erfahren die Studenten gleich von ihren Lehrern. Viele Seminare und Vorlesungen werden von Managern gehalten.

Studenten der Deutsch-Französischen Hochschule studieren drei Semester an einer Universität in ihrem Heimatland und drei weitere Semester in dem Partnerland. Das Besondere daran: Am Ende erwerben die Absolventen ein so genanntes Doppeldiplom. Das heißt: Sie erhalten einen qualifizierten Abschluss in Deutschland und einen in Frankreich und können später in beiden Ländern arbeiten, so als hätten sie an den jeweiligen Orten ein vollständiges Studium abgelegt. Für den Auslandsaufenthalt gibt es ein Stipendium im Monat von 300 Euro. Eine Studiengebühr wird nicht erhoben.

"Mit dem Doppeldiplom rechne ich mir später gute Chancen aus, einen Job zu finden als Diplomkauffrau in Deutschland oder bei einem Marketingunternehmen in Frankreich", sagt Christine. Sie kann sicher sein, in einer adäquaten Position zu landen, denn arbeitslose Absolventen kennt die Management-Hochschule nicht. "Spätestens zwei Monate nach dem Examen bekommen alle eine Stelle", sagt der Dozent Jean Paul Gärtner.

Die Aussichten sind rosig - doch der Weg zum Wunschberuf ist schwerer zu beschreiten als an einer herkömmlichen Universität. Die meisten Studenten aus Deutschland müssen lernen, sich umzustellen, wenn sie in Frankreich weiterstudieren. Das Studium in unserem Nachbarland ist sehr verschult. Es gibt festgelegte Stundenpläne, und die Teilnehmer der Seminare sind alle im selben Semester. Dazu kommen noch Sprachkurse und Seminare über die jeweils fremde Kultur.

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