Ihren 68. Geburtstag hat sie nicht mehr erlebt. In der Nacht davor starb Elsbeth Wolffheim, die Vizepräsidentin des deutschen PEN, mitten während dessen Jahrestagung in Darmstadt. Mit Leidenschaft engagierte sie sich für das PEN-Programm Writers in Exile, das anderswo verfolgten Schriftstellern Beistand und Domizil in Deutschland gewährt. 1934 in Stettin geboren, studierte Elsbeth Wolffheim Germanistik und Slawistik, schrieb Bücher über Tschechow, Bulgakow und Hanns Henny Jahnn. Sie gehörte zu den Initiatoren des Hamburger Literaturhauses und war zwölf Jahre in dessen Vorstand. Sie war eine große Kennerin der deutschen Exilliteratur, eine altmodisch gebildete und belesene Frau, die ihr eigenes exquisites Urteil hatte, unbeeindruckt von den Moden des Betriebs. Ihren Witz und ihr Wissen, ihr Temperament und ihre tätige Bereitschaft zur Solidarität mit entrechteten Kollegen bewunderte jeder, der sie kannte, und er wird sie schmerzlich vermissen.