Das hat es noch nie gegeben: Die beiden größten deutschen Buchhandelsketten Thalia und Hugendubel haben angekündigt, Bücher des Heyne Verlags zu boykottieren. Der Grund: Heyne (der dem Springer-Konzern gehört) lässt den neuen Roman von John Grisham, "Die Farm", zuerst im Bertelsmann Buchclub erscheinen, wo er nur an Mitglieder verkauft wird. Erst im August darf der Buchhandel das Buch anbieten - zu einem höheren Preis. Der Verleger des Heyne Verlags, Christian Strasser, äußert sich zu dem Vorgang.

die zeit: Sie haben John Grishams Roman Die Farm an den Bertelsmann Club verkauft. Ist das eine Kriegserklärung an den Buchhandel?

Christian Strasser: Natürlich nicht. In den vergangenen acht Jahren gab es im Club 270 solcher Vorlaufpremieren. Die Lizenzen wurden von fast allen großen Verlagen vergeben, auch für bekannte Autoren. Diese Praxis verstößt gegen keine der geltenden Regeln.

zeit: Sehen Sie in der Reaktion eine Art Kriegserklärung?

Strasser: In der Tat. Der Boykott, den die größten Buchhandelsketten gegen einen Verlag erheben, ist neu und überschreitet eine Grenze.

zeit: Verstehen Sie die Reaktion?

Strasser: Emotional ja. Allerdings geht es in Wirklichkeit weniger um Heyne als um einen verschärften Wettbewerb. Die drei großen Buchvermarkter, das sind zum einen die Großbuchhändler, zum zweiten der Club, zum dritten Weltbild, versuchen, sich jeweils Vorteile zu verschaffen, sprich, ihren Kunden etwas zu bieten, was es nur dort gibt. Wir haben das Pech gehabt, dass die Lizenzvergabe zu einem unglücklichen Zeitpunkt passierte. Für mögliche Folgen haben wir uns formell bei allen Buchhändlern entschuldigt.