In der ZEIT vom 4. April 2002 berichtete Iris Berben von den Vorbereitungen zu einem Theaterprojekt mit Lesungen aus den Tagebüchern von Anne Frank und Joseph Goebbels. Ein Problem sei, so Berben, zwei Wochen vor der Premiere noch zu lösen: Eine Probeaufnahme enthüllte, dass ihre Stimme einfühlsam und warm bei den Texten von Anne Frank klang, kalt und hart aber bei denen von Goebbels.

Inzwischen liegen die ersten Kritiken aus Frankfurt und München vor. Wenig Überraschendes ist dort zu lesen: Die Stimme wird hart und kalt bei den Texten des NS-Ministers, bemängelt die SZ aus München. Über die private Abscheu lässt sie hier kein professionelles Kraut wachsen, doziert die FAZ aus Frankfurt. Irgendwo fällt auch das Wort sympathisch, vorn, bei der Meritenaufzählung, kurz vor dem verbalen Gnadenstoß mit der Botschaft: Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht. Berben hatte Recht behalten. Blieb also ihr Frühwarnsystem folgenlos? Ein unstandesgemäßer Automatismus? Aber: Muss man sie wirklich dafür tadeln? Oder ist es nicht doch eher beruhigend, dass selbst der Phalanx der nationalen Fernsehspielkunst bei diesem Thema das kleine Set-Einmaleins ausgeht? Undivenhaft, zurückhaltend gar sei die Berben aufgetreten, heißt es. Die Zuschauer scheinen es zu mögen: Die diesjährige Leo-Baeck-Preisträgerin rangiert in der Gunst des deutschen TV-Publikums knapp vor Uschi Glas.