Der Fußboden vibriert, wenn die Straßenbahnen das Haus passieren. Doch das macht dem alten Gemäuer nichts aus. Es hat Schlimmeres mitgemacht: Das ehemalige Hotel im Düsseldorfer Stadtteil Bilk stand zehn Jahre lang leer, verkam hinter einer vom Straßenverkehr geschwärzten Fassade und war vom Abriss bedroht.

Heute erstrahlt das Haus Mengwasser nach gründlicher Sanierung wieder im alten Glanz. Dabei haben die neuen Eigentümer den ursprünglichen Charakter des Gebäudes, das aus dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts stammt, wiederhergestellt. Sie erhielten die alte Bausubstanz und setzten auf Ökologie und Nachhaltigkeit - ein Konzept, das aufging. Denn obwohl der Bestand leer stehender Büros auch in Düsseldorf kaum zurückgeht, waren die drei Büroetagen im aufgepeppten Altbau nach Fertigstellung im April 2001 innerhalb von einem Monat vermietet. "Selbst unsere Banken konnten das kaum glauben", sagt der Baubiologe Wolfgang Fabian, einer der drei Eigentümer des Hauses.

"Wir haben auf die Natürlichkeit aller Oberflächen und einen minimalen Materialverbrauch geachtet. Alte Mauersteine, die bei der Sanierung frei wurden, haben wir an anderer Stelle für neue Wände wieder eingesetzt", erläutert Fabian das Sanierungspaket. "Auch der Denkmalschutz war begeistert." Das Holz von Böden und Fenstern wurde mit natürlichen Ölen, die Innenwände mit mineralischen Farben gestrichen, das alte Mauerwerk zum Teil freigelegt, und die mehr als 100 Jahre alten Ziegel der Fassade gesäubert und imprägniert. Dass die Atmosphäre stimmt, scheint auch der Erfolg der Gaststätte im Erdgeschoss zu zeigen. Während sich hier die Besucher drängeln, verirrt sich in die Kneipe gegenüber kaum ein Gast.

Im ersten Stock hat sich die Werbeagentur one stop niedergelassen. In den Augen von Geschäftsführer Christoph Wesselburg zahlt sich das Ambiente für seine Firma aus: "Die natürliche Atmosphäre unterstützt die Kreativität."

Wesselburg hat als privates Domizil eines der Studios unter dem Dach bezogen.

Auch diese Räumlichkeiten zeugen von der Zeit, in der sie gebaut wurden. Die Holzbalken, die das Gebäudes stützen, sind freigelegt, selbst einzelne Stahlstützen sind unkaschiert. Was für manchen Mieter gewöhnungsbedürftig wäre, fällt für Wesselburg unter die Rubrik "einmaliges Wohngefühl".

Es war sogar verhältnismäßig preiswert, so eine gute Atmosphäre zu schaffen.