die zeit: Sie haben nicht einmal einen Tag gebraucht, um für die Chemie einen Abschluss zu erreichen - und die IG Metall geht auf den Streik zu. Was machen die falsch?

Hubertus Schmoldt: Ich habe großes Verständnis für die IG Metall. Nach allem, was ich weiß, haben die Arbeitgeber eine Einigung auf dem Verhandlungsweg nicht gewollt. Und in einer solchen Situation hat eine Gewerkschaft keine anderen Möglichkeiten als Urabstimmung und Streik.

zeit: Gibt es keinen Ausweg mehr?

Schmoldt: Welchen denn? Die IG Metall hat deutlich gemacht, dass ihre ursprüngliche Forderung von 6,5 Prozent nicht der Abschluss sein soll. Sie hat sich bewegt, die Zahl von vier Prozent stand im Raum. Da habe ich überhaupt keine Verständnis für das Verhalten von Gesamtmetall.

zeit: Gesamtmetall hat 3,3 Prozent mehr Lohn geboten - so viel, wie der Abschluss auch in Ihrer Branche war. Warum soll das nicht genug sein?

Schmoldt: Unser Abschluss hat ein Gesamtvolumen von 3,6 Prozent

zu den 3,3 Prozent Lohnerhöhung müssen Sie noch 0,3 Prozent addieren, die vor allem den Schichtarbeitern zugute kommen. Der Metall- und Elektroindustrie geht es aber insgesamt besser als der Chemiebranche. Warum es dann bei den Metallern zu einem Abschluss kommen soll, der unter dem in der Chemie liegt, kann doch keiner erklären.