Schwere Zeiten für Aktionäre. Die Aktienmärkte Europas und Amerikas wollen einfach nicht mehr. Nach einem vielversprechenden März haben die beiden letzten Aprilwochen die Kursgewinne dahingerafft. Dax, Dow Jones und Co. notieren sogar wieder unter dem Niveau vom Jahresanfang. Aber was mit Blick aufs eigene Aktiendepot bedauerlich erscheint, ist gesamtwirtschaftlich zu begrüßen. Denn erst allmählich werden die Übertreibungen der neunziger Jahre abgebaut.

Selbst nach den jüngsten Kursverlusten sind vor allem amerikanische Aktien alles andere als billig. Und so ist es eine gute Nachricht, wenn verunsicherte Aktionäre dafür sorgen, dass langsam die heiße Luft aus den Kursen entweicht. So paradox es klingt, aber Kursverluste stabilisieren die internationalen Finanzmärkte.

Es gibt noch eine zweite gute Nachricht: Der Wirtschaftsaufschwung dies- und jenseits des Atlantiks ist in Gang gekommen, bis auf die Konzerne der New Economy weisen die meisten Unternehmen wieder steigende Gewinne aus.

Allerdings gibt es kein Zurück in die goldenen neunziger Jahre mit den Verheißungen eines nahezu unendlichen Wachstums der Gewinne und der Volkswirtschaften. Die Gewinnprognosen der Unternehmenslenker sind moderat ausgefallen, ebenso die jüngsten Konjunkturdaten.

So weit, so gut.

Bleiben die Risiken. Da ist zum einen die Krise in Nahost: Eskaliert der Konflikt, wird der Ölpreis rasant steigen - und den Wirtschaftsaufschwung abwürgen. Da ist aber vor allem das ständig steigende Leistungsbilanzdefizit der USA: Wie lange ist die Welt noch bereit, Amerikas geringe Sparneigung zu überbrücken? Auch den letzten Experten wird allmählich klar, dass die Überbewertung des Dollar, gemessen an der Kaufkraft rund 20 Prozent, die Gefahr Nummer eins für die Weltwirtschaft darstellt - die größte Blase, aus der nun Luft entweichen muss. Die jüngste Schwäche des Greenback, der auf dem niedrigsten Niveau seit drei Monaten notiert, ist nur eine erste Warnung.

Es bleibt dabei: Aktionäre haben es in diesen Tagen schwer. Sie brauchen Geduld - und die Unterstützung des Devisenmarktes. Zunächst muss der überbewertete Dollar langsam auf ein vernünftiges Niveau sinken. Erst dann darf wieder munter investiert werden.