Inzwischen verlangt nicht nur die Wiedervereinigung nach einer Revision der Verfassung. Das Hinzukommen politischer Entscheidungsträger auf der europäischen Ebene, das Obsoletwerden riesiger redundanter Verwaltungen und andererseits die völlige Machtlosigkeit demokratischer Institutionen gegenüber den Gefahren der Globalisierung - all diese Phänomene schreien förmlich nach einer Verfassungsreform und einem Neubau des Netzwerkes demokratisch legitimierter Macht. Die hypertrophen Auswüchse des Föderalismus könnten damit bereinigt und Städte und Gemeinden zu ihren finanziellen und kulturellen Handlungsspielräumen zurückfinden!

Die Gefahr besteht, dass Reformen bei weiter bestehender Wahrnehmungsverweigerung der Politiker eines Tages von populistischen Emporkömmlingen und Vereinfachern à la Schill reklamiert werden. Wer erinnert sich nicht an Weimar! Ihre Karikatur zum Text lässt an die These der Antidemokraten vom Parlament als Schwatzbude denken. Insofern sind die Alten noch einmal gefordert, diesen Wandel auf demokratische Weise herbeizuführen.

Werner Schliepkorte Düsseldorf

Ich will gern einräumen, dass das Interview mit dem Politikwissenschaftler Patzelt Anregungen enthält, die bedenkenswert sind.

Doch selbst wenn ein Teil der Kompetenzen inzwischen nach Europa abgewandert ist, wird die Arbeit der Landtage nicht überflüssig. Die unverzichtbare Aufgabe der Landespolitik ist es, das, was aus Europa oder auch aus Berlin kommt, mit Leben zu erfüllen, es den Verhältnissen in dem entsprechenden Bundesland anzupassen, alltagstauglich zu machen. Außerdem sind die originären Landesaufgaben wie Bildung, Krankenhauswesen, Sicherheit und so weiter in den Augen der Bürger zentrale Felder der Politik, auf denen ein Wettbewerb durchaus sinnvoll ist.

Ihre Überschrift ist sowohl falsch als auch diskriminierend. Hätten Sie getextet: "Die Tüchtigsten zieht es nicht in den Landtag", wäre das gerade noch akzeptabel gewesen. Aber so lautet der Umkehrschluss: Alle Landtagsabgeordneten sind Trottel. Ich weiß nicht, ob Sie sich bewusst sind, dass mit solchen ungerechtfertigten Pauschalierungen die Medien selbst jene Politikverdrossenheit erzeugen, die sie dann beklagen.

Eva Ludwig, Darmstadt Mitglied des Hessischen Landtages