Angelika Beier hat die Kündigung bekommen. Zur Jahresmitte soll sie gehen. Sie nimmt nun erst einmal den Urlaub, der ihr noch zusteht.

Ein Schicksal, wie es Tausenden, Zigtausenden im Jahr widerfährt? Nicht so ganz. Jedenfalls ist es nicht ohne eine gewisse Pikanterie. Angelika Beier nämlich, die Diplom-Pädagogin, ist Mitarbeiterin des 1986 gegründeten Fördervereins gewerkschaftliche Arbeitslosenarbeit. Einer Einrichtung, die sich als "Serviceagentur für Betroffene und Akteure in der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik" versteht (Beier). Auch als Koordinierungsstelle für die weit über 1000 Arbeitslosenzentren und Beschäftigungsinitiativen in Deutschland.

Man sollte meinen, angesichts von mehr als vier Millionen Arbeitslosen hätte dieser Verein mehr Arbeit, als ihm lieb sein könnte. Und angesichts der Bereitschaft jedenfalls der IG Metall, für ein paar Prozentpunkte zu streiken, sei auch genug Geld in den Kassen. Aber da schaut Frau Beier den Besucher kurz an, als wollte sie sagen: Wie naiv kann man eigentlich sein.

Es ist nämlich so: Zwar sitzt sie gemeinsam mit den (ebenso gekündigten) anderen sechs Beschäftigten des Vereins im Bielefelder DGB-Haus

zwar trägt dieser Verein das Gewerkschaftliche in seinem Namen

zwar haben diverse Gewerkschaften den Verein auch finanziert. Aber das ist vorbei. Zahlen tut derzeit das Bundesarbeitsministerium. Bis zur Jahresmitte eben.

Die Personalie Beier steht (stellvertretend) für das schwierige Verhältnis, das Gewerkschaften und Arbeitslose miteinander unterhalten. "Total schwierig" (Beier) war es gar zu Beginn, im Jahre 1981, als in Frankfurt ein erster Arbeitslosenkongress zustande kam. Klaus Mehrens, Bezirksleiter der hessischen IG Metall, sagt das so: "Bielefeld war immer wacklig." Aber er denkt doch, "dass sich die Gewerkschaften bemühen, die Einrichtung zu erhalten. Sie hat gerade bei der IG Metall eine sehr starke Lobby." Und so könnte es denn sein, dass der DGB-Kongress Ende Mai beschließt, die Grundfinanzierung des Vereins zu übernehmen.