Fünf Kinder pesen durchs Hotel. Sie sind zwischen drei und sechs Jahre alt, und sie sind alles, was schön quietscht und Krach macht: röhrende Rennautos, brummende Flugzeuge, feurige Springpferde, Düsenjäger. Wunderbar, das Parkhotel Holzner hat eine hindernisfreie Direttissima zwischen Spielzimmer und Speisesaal, einen langen, schnellen Parcours für wilde Rennen von der Kinderbetreuerin Daniela zu den Eltern am Abendbrottisch.

Die Glasstäbchen an den Messinglüstern zittern ein wenig, deutlicher die Nerven mancher Eltern. Da tritt Hans Holzner auf in seiner Hauptrolle als Fels in der Brandung. Der Chef des Hauses in Oberbozen auf dem Ritten strahlt eine unverwüstliche Ruhe und Heiterkeit aus. Er weiß genau, wie quirlig sich Neuankömmlinge unter einem Meter Körpermaß aufführen. Sie sind in der Eingewöhnungsphase. Morgen ist die wilde Jagd vorbei, prophezeit er gelassen. Die Eltern der Kleinkinder atmen auf.

Maximilian, mein zwölfjähriger Sohn, erspart sich die Beinarbeit. Schließlich hat er einen besonderen Status - den des ältesten Kinds. Da sitzt er selbstverständlich bei den Erwachsenen und unterhält sie mit seinen Kommentaren zur Menükarte: Tomatierte Karottensuppe ... hä? - Hirschkotelett mit Polenta ... igitt. Er entscheidet sich fürs Kindermenü - Schinkennudeln, Kalbsfilet und Eis - und entschwindet sofort nach dem Essen schnell und unauffällig mit dem sechs Jahre alten Janik, dem Größten der Kleinen.

Abgesehen vom Frühstück bleibt diese erste unsere letzte gemeinsame Mahlzeit während des langen Wochenendes in Südtirol: Maximilian der Große ist zum Kindertisch gewechselt. Kommentarlos.

Dort allerdings isst er in genauso erlesenem Ambiente wie die Erwachsenen.

Denn das Parkhotel Holzner, 1908 zeitgleich mit der Seibahn erbaut, die Bozen mit dem hoch gelegenen Ferienort Ritten verbindet, ist reinster alpiner Jugendstil. Wandtäfelungen und Messinglampen, Tische und Stühle, Betten und Waschtische, Vitrinen und Kommoden, alles Originale, sorgfältig restauriert, geschmackvoll arrangiert in einem dezent modernisierten Umfeld. Der mobilen Kleinkindertruppe ist jegliche Kunstrichtung schnuppe, und der Hotelchef weiß aus Erfahrung, dass handgetischlerte Stilmöbel einiges aushalten. Dass die edle Umgebung alles andere als museal wirkt, liegt an ihm und seiner Frau Marianne. Das Hotelierspaar lebt und arbeitet nach der Devise Kinder bringen nicht Unruhe ins Haus, sondern Leben. Sie müssen es wissen. Schließlich haben sie selbst sechs Kinder.

Die Holzners haben ein Experiment gewagt. Während aus anderen historischen Häusern der gehobenen Klasse exklusive Refugien für ältere Herrschaften wurden, haben sie statt Wärmflaschen und teuren Zigarren nach und nach Fläschchenwärmer, Babyphone, Wickeltische und ergonomische Zwergenbestecke angeschafft. Zwei Spielzimmer wurden eingerichtet, der Park bekam Streichelzoo und Spielplatz. Einmal angefangen, machte Hans Holzner gleich weiter: Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Organisation Familienhotels Südtirol. Mit Erfolg: Mittlerweile bieten 17 Drei- und Vier-Sterne-Hotels im Land Ferien für alle Generationen an.