Sie kennen sich aus dem Frankfurter 68er-Milieu: Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit und Abdallah Frangi - der Erste ein angehender Star der Spontiszene, der Zweite der charismatische Studentenführer der Pariser Mai-Revolte, der Dritte ein Palästinenser aus gutem Hause, der eine Vita als Guerillakämpfer vorweisen konnte und nicht nur von Theorien, sondern von der Praxis redete. Frangi studierte Politik und Medizin und traf in Frankfurt auf eine Studentengeneration, die in ihrem Kampf für die Unterdrückten dieser Erde die palästinensische Sache zu der ihren erkoren hatte. Cohn-Bendit erinnert sich, dass sie öfter miteinander diskutierten. Für ihn war der Palästinenser schon damals "der inoffizielle offizielle Vertreter der PLO".

Doch während Fischer und Cohn-Bendit in den folgenden drei Jahrzehnten das Licht der Öffentlichkeit ohne Mühe auf sich zogen, musste Abdallah Frangi jahrelang um Aufmerksamkeit für sich und seine Mission kämpfen. Das Leben im Abseits ist dem Delegationsbüro in Bonn-Kessenich bis heute anzusehen.

In der Pförtnerloge zwei alte Männer, die den Eingang bewachen und Tee servieren, im Vorzimmer ein Mädchen für alles, das bald verschwindet, und in seinem Büro Frangi, der seinem Elend freien Lauf lässt und auf den wohlfeilen Beschwichtigungsversuch, nicht das Drama in Nahost sei der Grund des Besuches, sondern seine Person, nur verständnislos antwortet: "Ich bin Palästinenser." Nur die Fotos hinter seinem Schreibtisch, auf denen ein jüngerer Arafat mit Frangis Sohn und seiner Tochter in den Raum lächelt, erzählen von glücklichen Momenten.

Warum sitzt die palästinensische Generaldelegation immer noch in Bonn? In Berlin gibt es ein Grundstück, aber kein Geld zum Bauen, sagt Frangi. Das sei von den Israelis, über deren Banken die Finanzen für die Autonomiebehörde transferiert werden, eingefroren worden. Die israelische Botschaft bestreitet das. In Brüssel, an dessen Tropf die Autonomiebehörde hängt, weiß niemand etwas.

Der dunkeläugige Frangi ist ein feingliedriger, von Natur aus zurückhaltender Mann, heute 59 Jahre alt. Seine Stimme ist hierzulande bekannter als sein Gesicht, denn zur Kenntnis nehmen ihn nur die Rundfunkanstalten, die ihn stets ans Mikrofon bitten, wenn in Nahost eine Krise ausbricht und nicht nur aus israelischer Sicht berichtet werden soll. Vom offiziellen Bonn wurde Frangi geschnitten. Er galt als Terroristenfreund - "das war hier amtliche Diktion", bemerkte Araberfreund Jürgen W. Möllemann grimmig, als er nach seinem Freund Frangi gefragt wurde.

Terrorist oder Freiheitskämpfer?

Der böse Schein entstand 1972 nach dem Überfall auf die israelischen Sportler bei den Olympischen Spielen in München. Frangi wurden nicht nur Kontakte zu palästinensischen Attentätern vorgeworfen, angeblich war in seiner Wohnung auch Sprengstoff versteckt worden. Er wurde ausgewiesen - zusammen mit 300 anderen Palästinensern. Seine Frau, eine Deutsche, prozessierte gegen den Beschluss. Der Prozess dauerte zwei Jahre, am Ende durfte Frangi nach Deutschland zurückkehren - ein Urteil, das ihn für immer zu einem Bewunderer des deutschen Rechtsstaats machte: "Die Gerichtsbarkeit funktionierte, da habe ich meine Balance wiedergefunden."