Obwohl das Fernsehen mit Humor unterhalb der Gürtellinie inzwischen mehrfach gesättigt ist, lassen die neuen Wellen von Teen-Komödien auf der Leinwand immer noch so entschlossen die Sau raus wie in den späten siebziger Jahren. Das dreckige Lachen der kleinen Schweinchen stellt den gleichen heterosexuellen Einklang her und kommt einem mit den altbekannten Gemeinplätzen über das Leben, die Freundschaft und das Aufreißen, Anmachen und Flachlegen in der schwierigen Zeit des Erwachsenwerdens. Noch wichtiger als der Sex ist nach wie vor das Reden darüber. In diesem sublimierenden Impuls stehen sich die Jungswitze und die Zoten der Männer und Altherren in nichts nach.

Alfonso Cuarón hat sich in Y tu mamá también bei diesem nicht immer lustigen Genre bedient und dessen Befreiungsgesten nach Mexiko importiert. Allerdings bleiben die komischen Entladungen in seinem auf interessante Weise expliziten Teen-Sex-Film nicht bei prüder Harmlosigkeit stehen. Cuarón geht es um erotischen Ausdruck, bei ihm wird tatsächlich miteinander geschlafen - und auch die geschlechtsspezifischen Genrevorgaben bürstet er am Ende ausdrücklich homosexuell gegen den Strich.

Tenoch und Julio lernen die zehn Jahre ältere Luisa auf einer Familienfeier kennen. Sie wollen sie flachlegen und erfinden ein für sie unwiderstehliches Ausflugsziel, den boca del cielo, einen einsamen Strand in einer traumhaften Bucht. Bald darauf erinnert sich Luisa an das halbherzige Angebot, und so wird aus dem Film ein Roadmovie.

Kaum hat das ungleiche Dreieck im Auto Platz genommen, beginnen die gutaussehenden und etwas herablassenden Männer mit ihrer Geschlechtsreife und gewissen Leistungen im Bett zu prahlen. Man raucht etwas Gras und spricht über Masturbation und anale Stimulation wie über revolutionäre Akte. Dann wird viel und laut gelacht, während der Kombi ein Mexiko der kleinen Orte und sandigen Landschaften durchquert, vorbei an Hochzeiten, Polizeistreifen und einer Beerdigung, was den traditionalistischen Rahmen für eine modernistische Coolness bietet.

Aber die Jovialität wird auch immer wieder ausgebremst. Die Tonspur bricht dann ab, und es meldet sich eine Erzählerstimme zu Wort, die die Situation kommentiert, gesellschaftspolitische Daten anhängt oder erklärt, dass Tenoch Schriftsteller werden will, Julios Mutter als Sekretärin arbeitet und sich seine Schwester als Bürgerrechtlerin engagiert. Dadurch mischt sich ein American Pie-Lärm mit dem romanesken Stil von Truffaut, was das Geschlechterverhältnis nicht vereinfacht.

Reformierter Machismo

Auch Luisa lacht hier mit, obwohl das schon nicht mehr ganz der Humor ihrer Altersklasse ist, und stachelt die verbalerotischen Spiele sogar noch weiter an. Dadurch kommt es zu jener typischen Umkehrung, die dieser Frau unterstellt, was ihre Reisebegleiter eigentlich von ihr wollen. Aus der Zahnarzthelferin wird eine Lehrerin für Sex, und sie ergreift die Initiative, als der kleine, gedrungene Tenoch halbnackt ihr Zimmer betritt. Julia fordert ihn auf, das Handtuch zu lösen, mit seinem Schwanz zu spielen und gibt ihm weitere Kommandos, auf die er abgewürgt und kindlich reagiert. Wie diese ungleichen Körper zusammenkommen und der Junge die Forderungen der Frau ungeschickt, gehetzt und dankbar erfüllt, gehört von nun an zum Bestand der rührendsten und erotischsten Filmszenen.