Ein hübsches Spielzeug. Cool und trendy. Die Vorgeschichte ist ihm nicht anzusehen. Nichts von dem Stress und den Enttäuschungen, die seiner Einführung vorangingen. Nichts von den unzähligen Überstunden, von den Querelen und Machtkämpfen, von den Tränen, die flossen, wenn wieder etwas schief lief.

Eine Innovation marktfähig zu machen ist wie die Bändigung eines Urknalls.

Vor dieser Aufgabe stand der Düsseldorfer Telekommunikationsanbieter E-Plus, als er sich vor eineinhalb Jahren entschloss, i-mode auf den Markt zu bringen. Ein hohes Risiko. Der mobile Internet-Dienst, entwickelt von dem japanischen Mobilfunkriesen NTT DoCoMo, war in Deutschland völlig unbekannt.

Inzwischen nicht mehr: Auf der Cebit gehörten die neuen, silbrig glänzenden i-mode-Handsets zu den Hauptattraktionen

im Fernsehen laufen massenweise Werbespots.

i-mode ist eine kleine Revolution. Es nutzt eine neue Technik, eine neue Programmiersprache, bietet ein farbiges Display. Sein Prinzip lautet "always on": Der Nutzer muss sich nicht erst ins Netz einwählen, er ist ständig online. Das Problem: Mehr als das Prinzip konnten die Düsseldorfer von dem japanischen Vorbild nicht übernehmen. Weil auf dem deutschen Markt ganz andere Standards gelten, wurde so gut wie alles neu entwickelt: die Hardware, die Software, die Netzwerklösung. Es mussten Anbieter gefunden werden, die für den Dienst Inhalte bereitstellen - Nachrichten, Wetterprognosen, Börsenkurse, Kinoprogramme, Klingeltöne. Und Händler, die in der Lage sind, das i-mode zu verkaufen. "Es war so, als ob Sie ein Start-up im eigenen Unternehmen gründen", sagt Thorsten Dirks, im E-Plus-Vorstand für Produkt- und Prozessinnovation zuständig.

Nicht nur der Aufwand war ungewöhnlich hoch. Auch der Druck. Denn das Zeitfenster für die Markteinführung ist eng: Damit i-mode überhaupt Chancen hat, muss es zum Erfolgsschlager werden, bevor die nächste Technik marktreif ist: UMTS. Sobald der UMTS-Übertragungsstandard funktioniert, wird es eine Generation von mobilen Geräten geben, die einfach mehr kann als i-mode.