die zeit: Der Gesetzgeber verpflichtet Stiftungen, ihr angelegtes Kapital gegen Verlust zu sichern. Welche Schwierigkeiten ergeben sich daraus bei der derzeitigen Flaute am Kapitalmarkt?

Reiner Krieglmeier: Stiftungen investieren ihr Kapital hauptsächlich in festverzinsliche Wertpapiere, weil diese nur geringen Kursschwankungen unterliegen. Solche Anlagen bringen ohnehin einen eher niedrigen Zins. In den vergangenen Jahren ist der Zinssatz am Kapitalmarkt aber immer weiter gesunken. Den Stiftungen steht deshalb weniger Geld zur Verfügung. Besonders schwierig war das vergangene Jahr, als zehnjährige Bundesanleihen ausliefen, die noch einen Zins von neun Prozent hatten. Neu aufgelegte Bundesanleihen sind jetzt nur noch mit 4,5 bis 5,5 Prozent verzinst.

zeit: Sind Aktien eine Alternative, wenn die Gefahr großer Kursschwankungen gering ist?

Krieglmeier: Aktien haben für Stiftungen einen anderen Nachteil. Die Kurse der Papiere steigen zwar in der Regel. Doch das hilft kurzfristig nicht weiter, weil die Stiftungsgesetze es verbieten, diese Kursgewinne auszuschütten. Und die Dividendenzahlungen sind meist noch niedriger als Zinsen auf Anleihen. Eine Anlage in Aktien erhöht damit zwar langfristig das Stiftungskapital, bringt aber kurzfristig kein Geld in die Kasse.

zeit: Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma?

Krieglmeier: Die Frage lautet: Wie kann ich Wertsteigerungschancen in Zinserträge verwandeln? Eine Lösung können zum Beispiel gedeckte Stillhaltergeschäfte auf Aktien sein, mit denen man auf steigende Kurse spekuliert. Man verzichtet damit zwar auf einen Teil des Kursgewinns, bekommt aber eine Prämie, die die Stiftungen für ihre Projekte ausschütten dürfen.

zeit: Solche Geschäfte sind riskant und kommen deshalb wohl nur für einen kleinen Teil des Kapitals infrage. Haben Stiftungen denn eine Möglichkeit, für schlechte Zeiten vorzusorgen?