Als Kind besuchte mich nachts ab und an ein Prinz, der einen blauen Mantel mitbrachte, auf dem zwölf Sterne eingestickt waren. Wenn er den Mantel über mich warf, konnte ich mit ihm fliegen und sehen, wie andere Menschen zu anderen Zeiten gelebt hatten. Einmal zeigte er mir Neandertaler, ein anderes Mal sah ich Kinder, die Waffen trugen. Jetzt, als Erwachsener, besucht mich dieser Prinz nur noch sehr selten. Aber wenn er kommt, hat er wie immer diesen blauen Mantel dabei. Das letzte Mal, als ich ihn sah, war ich beim Träumen wach. Bei der Landung in einem Waldstück in der Nähe der tadschikisch-afghanischen Grenze verließ mich der Prinz, warf den blauen Mantel über mich und verschwand.

Gewehrkugeln zerfetzten die Stille. Ich lag flach am Boden, Panzer fuhren vor mir auf und verwirbelten mit ihren Abgasen die kühle, reine Luft einer Landschaft mit hoch gewachsenen Sträuchern und bewässerten Reisfeldern.

Ausgestattet mit meinem Wundermantel, flog ich an den Panzern vorbei auf einen grünen Hügel zu - er war aus Stahl. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber mein Mantel machte Unmögliches möglich: Wie ein Projektil bohrte ich mich in den Berg und kam vor mannshohen Regalen mit sorgfältig geordneter Kleidung zum Stehen. Ich sah auf Uniformen verschiedener Nationen mit Kragenspiegeln aller Waffengattungen. Kanister mit Benzin, ordentlich übereinander gestapelt, brachten mich auf die Idee. Ich goss den Treibstoff auf die Kleidung, bis sie tropfte und stank, und zündete sie an: Hosen, Jacken, Unterhemden, Unterhosen, Socken, Gürtel und Käppis verdampften mit lodernden Flammen in beißendem Qualm. Wo waren die Waffen? Aus einem Nebenraum hörte ich Männerlachen und kernige Sprüche. Die Krieger waren auf Mutsuche. Ich flüchtete aus der brennenden Kleiderkammer und bahnte mir einen Weg durch eine Reihe von spärlich bekleideten Männerkörpern, die in ihren Händen Maschinenpistolen und Gewehre hielten, sie ölten und reinigten und Patronen sortierten. Ich rief: Ruhe! in Richtung der überraschten Horde, und dann sagte ich laut: Eure Kleidung brennt! Wer keinen Krieg mehr will, kommt mit mir. Desertiert! Ich kenne einen Ort, da seid ihr sicher. Vertraut mir ...

Mein Mund war trocken, und in meinen Haaren klebte Sand. Ein paar Meter entfernt bauten ein paar Männer Zelte auf. Das Aufstehen fiel mir schwer, ich fühlte mich, als sei ich am Abend zuvor in einer Wodkadestille versackt. Hi, Tom, rief einer von den Zeltarbeitern mir zu, kannst du wieder stehen? Ich knurrte irgendwas in mich hinein und sagte zu ihm: Natürlich, natürlich. Es geht schon. Wo sind wir hier eigentlich? Der Mann kam auf mich zu. Er hatte sich ein khakifarbenes Tuch um den Kopf geschlungen. Wir sind in Red Country. Du hast uns gestern hierher geführt. Weißt du das nicht mehr? Ich sah ihn an wie jemand, von dem man behauptet, er ticke nicht ganz richtig.

Na klar, lachte ich ein künstliches Lachen, klar doch, ich habe euch hierher geführt. Wahrscheinlich sind wir auch über einen See gelaufen, oder?

Der Mann glotzte mich an. Nein, sagte er nach einer kurzen Pause ganz ernsthaft, wir sind geflogen wie Vögel. Und du voran in einem blauen Mantel. Ich winkte ab, drehte mich von ihm weg und ging auf eines der Zelte zu, an dem eine dreieckige Fahne hing: Die Buchstaben R. C. waren dort in roten Lettern eingestickt, der Untergrund war blau mit zwölf gelben Sternen.

Ich wurde schon erwartet - von zwölf Männern.