Viele Börsenzocker wie auch biedere Sparer wollen es gar nicht wissen: Wer mit Aktien spekuliert und Gewinne erzielt, muss darauf Steuern zahlen.

Das Gesetz ist eindeutig. Aus gutem Grund, denn das Steuerrecht ist nur dann gerecht, wenn wirklich alle Einkommen erfasst werden, und dazu gehören eben Spekulationseinkünfte.

Doch ein Gesetzesparagraf, an den sich kaum einer hält, weil die Gefahr der Entdeckung durch die Finanzbeamten gering ist, ist nichts wert. So wird der Ehrliche, der seine Gewinne beim Fiskus deklariert, zum Dummen. Und wie wenig der einschlägige Paragraf wert ist, zeigt das Gutachten des Bundesrechnungshofs, wonach sich die Finanzämter in aller Regel mit den Selbstauskünften der Steuerzahler - oder besser: der Steuerhinterzieher - zufrieden geben. Kein Wunder, dass auch die höchsten deutschen Finanzrichter an der Verfassungsmäßigkeit dieser Art der Besteuerung zweifeln, weil die Gleichbehandlung nur auf dem Papier steht.

Auch der Bundesfinanzminister räumt ein Vollzugsdefizit ein. Dank der Erfahrungen seiner Vorgänger weiß Hans Eichel aber, wie unpopulär es ist, den Sparern den Fiskus auf den Hals zu schicken. So verdonnerte 1991 ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts den Gesetzgeber, dafür zu sorgen, dass Zinseinnahmen nicht mehr in großem Stil am Finanzamt vorbeigeschleust werden können. Seither gibt es die Zinsabschlagsteuer. Es spricht vieles dafür, dass jetzt einmal mehr die Verfassungsrichter einschreiten müssen - und den Finanzminister zu seinem Glück zwingen.