Gute Beziehungen erleichtern das berufliche Fortkommen. Das gilt im richtigen Leben genauso wie in der Welt des Pop. Gute Beziehungen allein aber machen noch keine große Popmusik. Davon wissen auch Jason Schwartzman und Sam Farrar ein Lied zu singen, beide Mitglieder der kalifornischen Rockband Phantom Planet.

Neffe von Francis Ford Coppola und umjubelter Hauptdarsteller von Wes Andersons Kultfilm Rushmore der eine, Sohn vom Grease-Soundtrack-Komponisten John Farrar der andere, hatten sie 1998 zwar keine Probleme damit, nach ein paar Auftritten auf Schulfesten einen Plattenvertrag bei einer großen Firma zu bekommen. Ihr Debütalbum jedoch wollte in den Staaten kaum jemand hören.

Kein Wunder, hatte es doch höchstens die Qualität einer überdrehten Teenager-Klamotte. In Folge widmeten sich Phantom Planet wieder ihren Tätigkeiten als Schauspieler, Models und Musikstudenten. Der Traum von einem gelungenen Popalbum aber blieb.

The Guest (Epic/Sony) heißt ihr jetzt zweiter Versuch, dem man anhört, dass hier fünf Anfangzwanziger endlich die Reifeprüfung bestehen wollen: feiner, ausgeklügelter Gitarrenpop, Songs, die leicht und unbekümmert klingen, denen man trotzdem die Entwicklung, die Zeit im Proberaum und nicht zuletzt eine perfekte Produktion mit vielen kleinen Gimmicks anhört. Da selbst das manchmal nicht ausreicht, haben Phantom Planet jetzt glücklicherweise auch das aktuelle Geschehen des Musikmarktes auf ihrer Seite. Amerika und der Rest der Welt sind bereit für Rockmusik jenseits von Grunge und neuem Metal, und Phantom Planet passen nur zu gut in die Bewegung mit den vielen neuen, ungestümen Rockbands.

Mit den Strokes teilen sie die Bürde, berühmte Eltern zu haben. Mit dem Black Rebel Motorcycle Club das Faible für Filmzitate: Phantom Planet hieß ein obskurer Science-Fiction-Film aus den Sechzigern. Mit allen zusammen das Bewusstsein, dass es in der Popmusik alles schon gegeben hat - und trotzdem nur die Gegenwart zählt. Neue Radikale für moderne Zeiten, ausgestattet mit Songs, die im Fall von Phantom Planet mal unwillkürlich an die Beatles erinnern, mal ganz bewusst an Elvis Costello. Die dann aber so viel Eigendynamik entwickeln, dass die sonnigen Gemüter der Phantom-Planet-Musiker hell durchscheinen: Kalifornien, Sonnenstrahlen, schöne Mädchen, Beachpartys.

Selbst wenn es einmal um einen einsam verbrachten Tag oder eine falsche Entscheidung mit Folgen geht: Am Ende überwiegt auf The Guest immer die Freude darüber, auch daraus noch einen Popsong fabrizieren zu können. Eine CD-Länge Ruhm ist damit sicher. Wer war noch mal gleich der Onkel von Jason Schwartzman?