Er kam in einem kursächsischen Städtchen auf die Welt, als Zweites von vier Kindern eines Ackerbürgers, der ein geachteter Mann war und schon in jungen Jahren als einer der drei umschichtig amtierenden Bürgermeister des Städtchens wirkte. Die Mutter war die Tochter eines Superintendenten und stammte aus einem anderen Ort. Nach dem frühen Tod des Vaters kam der Sohn in die strenge und gelehrte Zucht der Fürstenschule zu Grimma.

Dort ist dem unauffälligen Knaben nichts geschenkt worden, schrieb der Philosoph und Theologe Wolfgang Trillhaas. Und weiter: Ein paar zufällig erhalten gebliebene Zeugnisse melden, daß er nicht gerade bei den Ersten war, aber man war zufrieden mit ihm. Er hat sich die humanistische Bildung der Zeit, bereichert durch eine streng orthodoxe Erziehung im biblischen Wissen und in den Bekenntnisschriften, vor allem auch in Hutters Kompendium locorum theologicorum, pietätvoll angeeignet ... Der Übergang zur Universität, wo er ums Neujahr 1628 inskribiert wurde, bedeutete unter diesen Umständen kaum den Eintritt in eine neue Welt. Wir wissen von seinem Studium wenig. Wie aufgeschlossen er an der theologischen Fakultät die Cathedra Lutheri hütete, den Geist des strengen Luthertums in sich aufgenommen hat, bewies die Folgezeit.

Doch zunächst kamen unruhige Jahre und ein langer Krieg, der seine Heimat in Schutt und Asche legte. Und kurz danach starb sein älterer Bruder.

Er, um den es hier geht und der in Allgemeinem ein Spätling war, bekam erst mit 44 Jahren die Probstei in Wittenberg, einer vom Krieg schwer zerstörten Gemeinde. Vier Jahre später heiratete er die 32-jährige Tochter einer ihm befreundeten Berliner Familie. Zwei Jahre später wurde er Diakonus an der Nikolaikirche in Berlin, hoch geachtet und sehr beliebt von seiner Gemeinde.

Nach fünf friedlichen Jahren wurde er in einen Kirchenstreit verwickelt.

Der Kurfürst von Brandenburg-Preußen bekannte sich zum Calvinismus.

Gleichzeitig erklärte er als erster Fürst in Europa Glaubens- und Gewissensfreiheit. Praktisch jedoch galt der Grundsatz cuius regio, eius religio, und nach diesem Grundsatz war die Religion des Fürsten die Norm für seine Landeskinder. Der strenggläubige lutherische Diakon kam in einen unüberbrückbaren Gewissenskonflikt. Er, dem die Friedlichkeit der Predigt von den berufenen Männern der Stadt bestätigt wurde, trat gegenüber den reformierten Theologen (Calvinisten) der Stadt auf als Gutachter und führender Mann und Hüter der scharfen Orthodoxie. Obwohl der Kurfürst mehrere Edikte zugunsten der kirchlichen Eintracht erließ, eskalierte die Wittenberger Polemik, sodass er seinen Landeskindern das Studium an Luthers Universität verbot. Der Kirchenstreit endete trotz der Fürsprache der weltlichen Vertretung mit einem Verweis und dann mit der Amtsenthebung für unseren Diakon.