Ich hasse subversive Einladungen, aber leider sind die zurzeit unglaublich schick. Wer den Coolnessfaktor seiner Veranstaltung steigern will, tut so, als sei sie die geheimste Sache der Welt und natürlich illegal. Hochwertig gedruckte Karten in wattierten Umschlägen werden nur noch von Boutiquenbesitzern verschickt. Auch die Blütezeit aufwändig gestalteter Flyer scheint vorbei zu sein. Sie wurden durch Millionen von Vernissagen inflationiert. Von den wirklich hippen Partys erfährt man nur noch per E-Mail. Unscheinbar, oft langatmig und vor Rechtschreibfehlern strotzend.

Oder - der Gipfel der Konspirativität - per SMS. Und alle spielen mit.

Zumindest in Berlin ist das Partyvolk derart übersättigt, dass einzig der Nimbus des Eingeweihtseins sie noch vom Sofa lockt. Das VIP-Bändchen ums Handgelenk wurde durch das Codewort ersetzt, das, dem Türsteher ins Ohr geflüstert, den Zugang zum superexklusiven Kellerclub ermöglicht. Jetzt fangen auch schon die Restaurants mit dem Versteckspiel an. Letzte Woche wurde ich von einer Quasimodoartigen Gestalt durch zwei Hinterhöfe über drei Treppen in ein extrem geheimes, lizenzloses Lokal geführt. Es war verdammt schwierig, die Handynummer herauszufinden, unter der man das Codewort für Quasimodo erfragen musste. Das Essen war mäßig und die Wartezeit endlos, aber dafür saß ich unter den Informiertesten der Stadt, ein ganzes Restaurant voller Geheimnisträger.

Beim nächsten Mal wäge ich allerdings noch mal neu ab, denn auf Dauer steht der Aufwand in keinem Verhältnis mehr zum Ergebnis. Manchmal geht die Geheimniskrämerei auch nach hinten los, wie vorletztes Wochenende, als sich die E-Mail-Einladungen eines gewissen Sebastian Mücke wie ein Virus vervielfältigten. Statt der geladenen 500 standen 5000 Gäste vorm Abrisshaus.

Die Feierwütigen verstopften die gesamte Straße und legten den Verkehr lahm.

Der hilflose Veranstalter musste auf Geheiß der Polizei mit dem Megafon seine Gäste nach Hause schicken. Was natürlich gründlich misslang, weil alle die Straßenparty genossen und sich unglaublich illegal fühlten. Jetzt naht das Wochenende, und ich habe noch einen ganzen Berg von Junk-Mails durchzuarbeiten, um herauszufinden, wo in aller Welt die wichtigste Veranstaltung stattfindet. Zum Glück arbeiten bei uns Praktikanten. Allein wäre es nicht mehr zu schaffen. Es ist einfach zu arbeitsaufwändig geworden, auf den richtigen Partys zu sein.

Die Autorin moderiert und leitet das TV-Magazin Polylux, jeden Montag um Mitternacht in der ARD