Zeitungsberichte über Rekordverluste erschrecken in Oberfranken kaum noch jemanden, die Menschen dort sind inzwischen einiges gewohnt. Die Lokalpresse brachte in den vergangenen Monaten immer neue Details über die roten Zahlen der SchmidtBank in Hof und über deren Beinahezusammenbruch. Dennoch sorgte Ende März ein Bericht des Coburger Tageblatts für Aufsehen, obwohl es darin nur um 7,5 Millionen Euro ging - im Vergleich zum Jahresverlust der SchmidtBank von mehr als einer Milliarde Euro geradezu Peanuts. Ursache der Aufregung: Die gemeinnützige Oberfranken-Stiftung hatte vor zwei Jahren Genussscheine der SchmidtBank gekauft. Nun seien die Papiere als Folge der Bankkrise nahezu wertlos, berichtete das Blatt. Die neuen Eigentümer der Bank - einige große deutsche Kreditinstitute - wollen lediglich ein Viertel der investierten Summe von 10 Millionen Euro zurückzahlen. Der Verlust für die Stiftung: satte 7,5 Millionen Euro.

Am Tag des Zeitungsberichts liefen bei der Oberfranken-Stiftung die Telefondrähte heiß. Besorgte Bürger erkundigten sich nach der Zukunft der Projekte, die die Stiftung finanziell fördert, darunter die Renovierung des Schlosses Thurnau und die Unterstützung des Theaters in Bamberg. Der Geschäftsführer der Stiftung beruhigt: "Natürlich sind die Vorkommnisse äußerst ärgerlich, aber sie werfen uns nicht um", sagt Ernst Bauersachs. Dem Vorstand der Stiftung mag er keinen Fehler anlasten. Seine Entscheidung über die Geldanlage sei aus damaliger Sicht durchaus sinnvoll und nachvollziehbar gewesen. "Wir haben uns der oberfränkischen Wirtschaft immer verbunden gefühlt und voll auf die Solvenz der Bank vertraut", sagt Bauersachs. Ein Vertrauen, das enttäuscht wurde.

Die Krux mit den Anleihen

Die Oberfranken-Stiftung hat es mit dem Genussschein-Desaster besonders hart getroffen. Mit ihren Sorgen steht sie allerdings nicht allein da - auch vielen anderen Stiftungen geht das Geld aus. Da der größte Teil des Stiftungsvermögens in Deutschland in Staatsanleihen investiert ist, drücken die niedrigen Zinsen die Rendite. In den vergangenen zehn Jahren ist sie um fast die Hälfte gesunken. Die Folge sind leere Kassen, denn Stiftungen dürfen nur die Erträge aus der Kapitalanlage für den Stiftungszweck ausgeben. Das Stiftungskapital selbst muss laut Gesetz unangetastet bleiben. "Seit vergangenem Jahr kürzen viele Stiftungen deshalb massiv ihre Ausgaben", sagt Ulrich Brömmling vom Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Auch der Vorstand der Albert-Osswald-Stiftung sieht keinen anderen Ausweg mehr, als bei den Ausgaben zu sparen. Die Stiftung, die nach dem ehemaligen hessischen SPD-Ministerpräsidenten benannt ist, verlieh bisher jährlich den mit 25 000 Euro dotierten hessischen Friedenspreis. Doch die Rendite des Stiftungskapitals von 1,4 Millionen Euro war zuletzt so schlecht, dass es in diesem Jahr erstmals keinen Preisträger geben wird. Die Stiftung kann das bisher übliche Preisgeld nicht aufbringen. "Jetzt hoffen wir auf einen schnellen Zinsanstieg, damit wir den Preis in Zukunft wieder jährlich verleihen können", sagt Vorstand Gerhard Osswald.

Die Ebbe in den Kassen der Stiftungen hat ausgerechnet zu einer Zeit eingesetzt, in der in Deutschland besonders viele der gemeinnützigen Organisationen gegründet werden. Allein im vergangenen Jahr haben mehr als 1000 Privatpersonen und Unternehmen Geld in neu gegründete rechtsfähige Stiftungen eingebracht, gibt der Bundesverband Deutscher Stiftungen an. Nicht mitgezählt sind so genannte unselbstständige Stiftungen, deren Gründungen nicht erfasst werden.

Ursache des Booms ist eine stärkere steuerliche Förderung, die seit Anfang des Jahres 2000 gilt. Ein gemeinnütziger Stifter kann danach Zahlungen von bis zu 307 000 Euro an eine neu gegründete Stiftung als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Diesen Betrag kann er auf bis zu zehn Jahre verteilen.