Diese Rättin beißt alles zu Tode und singt kein einziges Wort. Sie verbreitet die Pest, vergiftet den Staat und heiligt den Inzest. Ein Würgeengel, dessen Wüten der Komponist Gerhard Stäbler nun unter dem Titel Madame La Peste an der Duisburger Rheinoper in die Welt gebracht hat. Das ist ein Stück Totaltheater, das so viele Zähne hat, dass es im Kiefer der Dramaturgie etwas eng wird. In Matthias Kaisers knirschendem Libretto trägt Bruno Jasie°skis Seuchen-Politroman Ich zünde Paris an als Handlungsbrücke über Edgar Allan Poes Novelle vom Untergang des Hauses Usher

von ferne wetterleuchten Albert Camus' Pest und Klänge von Debussy. Es gibt aleatorische Zonen, hergestellt von einem "zwanzigflächigen Würfel", ein "Pest-Akkord" behaucht einen "Hunde-Rhythmus", sechs rote Richter orgeln zweistimmig, auf Florian Parbs' klirrend kalter Bühne bellt Sprechgesang und lallen Vokalisen, und natürlich beginnt alles mit einem "wilden Stimmen" im Orchestergraben. Das Personal, darunter Pestarzt, Rabbi, Kommunist, Poe und sein todgeweihter Roderick, beschäftigt der Regisseur Elmar Fulda mit Kühlschränken, Kofferradios und Fotokopierern. Es gibt saugende Momente in Stäblers Partitur, doch manchmal müsste sie wegen Überfüllung geschlossen werden. Den Durchblick besitzt Günther Albers am Pult, der ein exzellentes Ensemble aus Solisten, Chor und Duisburger Philharmonikern genial zusammenhält. Das Schönste sind indes die Beine von Madeline, der stummen Frau Pest, mit denen sie ihre Opfer vor dem finalen Biss ködert und umschlingt.