die zeit: Lord Browne, wo steht der Ölpreis Ende des Jahres?

Lord John Browne: Er wird schwanken. Das ist leider das Genaueste, was man sagen kann. Aber Spaß beiseite: Die Ölnachfrage ist etwas höher, als wir alle nach der Tragödie des 11. September erwartet hatten - während die Opec ihr Angebot begrenzt hat. Momentan ist der Markt ungefähr ausgeglichen. Für das erste Halbjahr erwarte ich einen Preiskorridor von 20 bis 25 Dollar pro Fass, vielleicht zeitweise etwas mehr wegen des politischen Risikozuschlags. Wie sich der Preis danach entwickeln wird, hängt vor allem von der Weltkonjunktur ab - und davon, ob sich die Opec entschließt, etwas mehr Öl zu fördern.

zeit: Auch vom Konflikt im Nahen Osten?

Browne: Er wird voraussichtlich für einen Risikozuschlag auf den Ölpreis sorgen. Die Gefahr eines Angebotsengpasses sehe ich jedoch nicht. Es gibt genug Öl. Und wenn sich tatsächlich ein Land zu einem Produktionsstopp entschließen sollte, wird ein anderes Land die Lücke schließen. Die Ölproduzenten sind bevölkerungsreiche Nationen

sie sind auf die Deviseneinnahmen angewiesen. Das unterscheidet die heutige Lage von der Situation der siebziger Jahre. Die Verbraucher müssen keine Engpässe fürchten.

zeit: Für den Profit von BP wären doch hohe Preise gar nicht so schlecht, oder?

Browne: Richtig, hohe Ölpreise vergrößern unseren Gewinn. Aber wir richten unsere Unternehmensstrategie nicht am Auf und Ab der Preise aus