Des Rätsels Lösung dürfte in den erheblichen Restriktionen liegen, denen die Marine unterworfen ist - allen großen Worten zum Trotz. So gestattet der Entsendebeschluss des Bundestages vom 16. November der Bundeswehr "Einsätze in anderen Staaten als Afghanistan nur mit Zustimmung der jeweiligen Regierung". Auf die Terrorbekämpfung zu See übertragen heißt das: Die 12 Seemeilen breiten Küstengewässer sind für deutsche Verfolger tabu, und damit sicheres Refugium für unchristliche Seefahrer aller Klassen.

Die restlichen rules of engagement liegen strikt unter Verschluss - aber es ist ein offenes Geheimnis, dass auch da "rote Linien" gezogen worden sind (nachdem die Ressorts Auswärtiges, Justiz und Inneres warnten). Geklärt ist demnach: Schiffe anhalten und durchsuchen darf die Marine nur auf freiwilliger Basis

für opposed boarding, also Gewaltanwendung, gibt's keine rechtliche Deckung. Wenn nicht alles täuscht, herrscht in Marinekreisen darob eher Erleichterung - um suspekte Boote dingfest zu machen, gibt es ja notfalls weniger zimperliche Verbündete. Laut Auskunft aus Bahrain sind seit Beginn der Seeoperation im November 2001 "Tausende von Schiffen" (per Funk) befragt worden, was zu "75 Bordgängen" geführt habe

die New York Times schrieb jüngst, in einigen Fällen sei dies mit Hilfe der Spezialkampftruppe Navy Seals erzwungen worden.

Ist vielleicht auch besser so. Schließlich hat die Bundesrepublik recht strikte Regeln für Auslieferungen an Staaten mit Todesstrafe - und die 5.

US-Flotte sehr präzise Vorstellungen davon, wer für dingfest gemachte Verdächtige zuständig ist: "Alle Festnahmen oder Verhaftungen werden richtigerweise vom Department of Defence/Department of Justice erledigt." Von den amerikanischen, versteht sich.

Der Erfolg? Immerhin, meinen die Deutschen, habe die geballte internationale Seepräsenz ein Gutes: Abschreckung. Jayant Abhyankar vom International Maritime Bureau (IMB) indes berichtet, die Zwischenfälle im Golf von Aden und vor der somalischen Küste hätten sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.