Dem Staat sein Geld leihen? Warum nicht - immerhin bringen zehnjährige Bundesanleihen, auf ihre gesamte Laufzeit gerechnet, gut fünf Prozent Rendite im Jahr und sind sicherer als Aktien. Staatsanleihen wie diese sind festverzinsliche Wertpapiere, mit denen die Länder ihre Kredite finanzieren.

Wer sie kauft, wird Gläubiger eines Staates zu festgelegten Bedingungen: Dazu gehören die Höhe der Verzinsung (Kupon), die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals in voller Höhe des Nennwerts und die Abstände, in denen Zinsen fällig werden. Wegen ihrer regelmäßigen Zahlungen werden Anleihen auch Renten genannt.

Die Rendite einer Staatsanleihe verändert sich dennoch - parallel mit dem Zinsniveau am Kapitalmarkt. Steigen dort die Zinsen, sinkt der Kurs einer Anleihe. Umgekehrt ziehen fallende Zinsen einen höheren Anleihekurs nach sich. Eine Kursveränderung beeinflusst zusammen mit dem feststehenden Kuponzins die Gesamtrendite des Wertpapiers (siehe Kasten "Für Anleger"). Für denjenigen, der sein Geld in Staatsanleihen investieren will, ist demnach die künftige allgemeine Zinsentwicklung am Kapitalmarkt das wichtigste Kriterium bei einer Entscheidung für oder gegen den Kauf. Das Zinsniveau hängt vor allem von der erwarteten Inflation ab.

Risiko: Ölpreis

Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen zogen seit ihrem Tiefstand im November vergangenen Jahres um rund 0,8 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent an. Die meisten Kreditinstitute prognostizieren bis Jahresende allenfalls wenig höhere Zinsen. Nikloaus Keis, Analyst bei der HypoVereinsbank, erwartet keinen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland, sondern eine Folge von schwächeren und stärkeren Quartalen. "Es wird daher keine großen Renditeerwartungen an den deutschen Rentenmärkten geben", sagt er. Dennoch verweist er auf einige Unsicherheitsfaktoren. "Sollte sich der Ölpreis vom jetzigen Niveau von rund 26 Dollar pro Barrel über einen längeren Zeitraum deutlich über der 30-Dollar-Marke halten, schließen wir ein höheres Zinsniveau nicht aus", sagt der Analyst. "Lohnabschlüsse, die weit über den Inflationsausgleich hinausgehen, könnten ebenfalls Druck auf die Preise und damit die Zinsen ausüben."

Anleger können Anleihen vor ihrer Fälligkeit jederzeit zum aktuellen Börsenkurs kaufen oder verkaufen. Wer den Verkauf seiner Papiere zu einem bestimmten Zeitpunkt plant, muss jedoch aufpassen. Es kann sein, dass er gerade dann verkaufen muss, wenn sich die Zinsen ungünstig entwickeln. Um diese Falle zu umgehen, lohnt es sich, sein Geld in Papiere mit unterschiedlich langen Laufzeiten zu verteilen. In Deutschland können Anleger Bundesanleihen auf 10 oder 30 Jahre erwerben oder Obligationen und Bundesschatzanweisungen mit kürzeren Laufzeiten kaufen. Die fest vereinbarten Zinsen werden einmal jährlich ausgezahlt.

Weniger attraktiv als hierzulande ist die Lage in den Vereinigten Staaten.