Schwerer Sturm" ist nicht die Ansage, die ein Segler im Wetterbericht gern hört. Jedenfalls nicht, wenn er viele Meilen vom Festland entfernt ist.

Und die Aldebaran fuhr sehr weit vor der portugiesischen Küste. Ihre Crew warf ängstliche Blicke ins Rigg, denn da war eine Want angerissen von früheren Angriffen des Windes. Und sie schrieb eine E-Mail an Frank Schweikert: Die Lage sei nun doch ernst.

Zum Glück zog der Orkan vorbei. Die Mannschaft der postgelben 13,5-Meter-Yacht mit dem sportlichen Überrollbügel am Heck war mit dem Schrecken davongekommen.

Das Ereignis ist symbolträchtig: Von den Wogen geschüttelt, doch das Schiff geht nicht unter. Dem Medien- und Forschungsprojekt Aldebaran, sagt Schweikert, drohen viele Schwierigkeiten, aber es gebe immer ein Licht am Ende des Tunnels. Sein Boot hat er nach dem hellsten Stern im Sternbild Stier benannt - seinem Sternzeichen. Stier steht für stur, mit dem Kopf durch die Wand.

Die Aldebaran ist chronisch unterfinanziert, die Projekte seines Besitzers, auf der Internet-Seite angekündigt, bleiben oft Träume. Letztes Jahr dümpelte das Schiff mit gelegtem Mast und beeindruckender Beule an der Flanke im Schlickwasser der Hamburger Speicherstadt, festgezurrt unter den Fenstern des Aldebaran-Büros. Ein trauriger Anblick. Der Kahn wurde totgesagt von Exmitarbeitern, die sich irgendwann entkräftet von dem nervenzehrenden Projekt abgewandt hatten. Dann meldete plötzlich Bild im März, dass die Aldebaran einen Riesentintenfisch vor den Kanarischen Inseln gefunden habe.

Eine Sensation. Ein Zufallsfund, "wie man ihn sich wünscht", sagt Schweikert, denn so was bringt die Presse an Bord, und dann lächelt er in die Kamera, mit dem umflorten Blick des chronisch Überarbeiteten.

Was treibt ihn? Das Meer. Die Aufklärung über diesen "wichtigsten Lebensraum": Ist das Meer kaputt, gehen wir alle kaputt. Die Öffentlichkei habe das Problem noch nicht so richtig erkannt, Berichte gebe es nur bei Katastrophen. Dabei kämen die richtig großen Unglücke doch erst, wenn die Meere umkippten und das Klima sich verändere. Also muss Umweltberichterstattung her, und zwar kontinuierlich und von direkt vor Ort.