die zeit: Herr Keitel, Sie haben zusammen mit anderen Vertretern der Wirtschaft Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Afghanistan begleitet. Was wird Hochtief in dem zerstörten Land bauen?

Hans-Peter Keitel: Wir müssen dort ganz, ganz unten anfangen. Mit normalen Maßstäben eines großen Bauunternehmens ist das nicht messbar. Wir engagieren uns besonders, weil wir bis zur Revolution in den siebziger Jahren in Afghanistan 25 Jahre das Staatsbauunternehmen waren. Noch heute kennt dort jeder unseren Namen. Wir fühlen uns verpflichtet. Deshalb stehen für uns kurzfristig geschäftliche Gründe nicht im Vordergrund.

zeit: Sie haben keinen Auftrag - etwa für einen Flughafen - mit nach Hause gebracht?

Keitel: Zurzeit geht es nicht um große Projekte. Das Ziel kann nur sein, mit dem Geld, das zur Verfügung steht, Hilfe zur Selbsthilfe zu organisieren.

Aber die Bürokratie der internationalen Geberinstitutionen, die die Hilfsgelder verwalten, ist frustrierend. Wir haben vor einigen Wochen mit der afghanischen Regierung vereinbart, dass wir eine Asphaltmischanlage nach Kabul bringen, um den Afghanen zu helfen, ihre Straßen zu reparieren. Selbst dieses kleine symbolische Projekt läuft bis heute nicht, weil die paar Euro, die man dafür braucht, nicht da sind.

zeit: Insgesamt haben die Geberländer 5,1 Milliarden Euro als Afghanistan-Hilfe versprochen. Allein die Deutschen haben für dieses und die folgenden vier Jahre jeweils 80 Millionen Euro zugesagt.

Keitel: Die 80 Millionen sind, wie uns gesagt wurde, durch alle möglichen Entwicklungshilfemaßnahmen bereits wieder erschöpft. Und eine ganze Reihe von Leuten unterschiedlicher Geberinstitutionen haben uns große Vorträge gehalten, nach welchen Regularien die Projekte abgewickelt werden. Auf die schlichte Frage, wie viel sie denn auf diese Art und Weise schon an den Mann gebracht haben, mussten sie antworten: null. Hinzu kommt, dass alle auf die Wahlen warten. Dabei wäre es jetzt wichtig, die amtierende Regierung zu unterstützen, indem man das eine oder andere sichtbar bewegt.