Heute habe ich meine sechzehnjährige Tochter mit dem Bus zur Schule geschickt. Wie jeden Tag. Unter gewöhnlichen Umständen eine ganz normale Sache. Unter den Umständen Israels im Frühjahr 2002 jedes Mal ein Horrorfilm.

Jeden Tag mache ich, bis sie in der Schule ankommt, die verschiedensten Hausarbeiten, nur um die Zeit rumzubringen, mich zu beschäftigen. Hauptsache, nicht panisch werden, nicht die Nerven verlieren. Ich höre Nachrichten, achte auf alle Geräusche von draußen. Wenn es bloß, Gott behüte, keinen Anschlag gibt und danach diesen Strom von Rettungswagen und Sicherheitskräften. So lebe ich seit eineinhalb Jahren. Erst wenn ich sicher bin, dass es in Tel Aviv keinen Anschlag gegeben hat und dass auch mein neunjähriger Sohn wohlbehalten in der Schule angekommen ist, darf ich mich an den Computer setzen und meinen Arbeitstag beginnen.

Gestern früh, bevor die Kinder aus dem Haus gingen, lief bei uns der Fernseher. Genau um 7.20 Uhr wurde der Sprecher des Frühstücksfernsehens bleich und teilte mit, es habe im Norden des Landes an der Kreuzung von Meggido einen Anschlag gegeben. Ein Terrorist habe sich in einem Bus in die Luft gesprengt, acht Menschen getötet. Wir sahen den zerrissenen Bus, die Leute, die mit den Tragen hin- und herrannten, und den Journalisten, der bereits eingetroffen war. Aus Erfahrung wissen wir, berichtete er, dass die Zahl der Toten noch steigen wird.

Dreizehn Tage vorher war Israel in einige palästinensische Städte einmarschiert. Ein Selbstmordattentäter hatte sich in einer Menge von Menschen, die in Netanja den Sederabend feierten, in die Luft gesprengt und 27 Menschen getötet, und danach hatte sich noch einer in einem Restaurant in Haifa hochgejagt, und ich weiß schon nicht mehr, wie viele Menschen dabei umkamen. Seit das Militär anfing, die Infrastruktur des Terrors zu zerschlagen, hat es zwölf ruhige Tage gegeben. Dann waren die ruhigen Tage wieder vorüber. Der Albtraum, von dem ich gehofft hatte, er sei vorbei, begann von neuem.

Als Mutter fühle ich mich völlig verantwortungslos, wie eine, die mit dem Schicksal ihrer Kinder und mit ihrem eigenen russisches Roulette spielt. Vor einem Jahr, etwa sechs Monate nach Ausbruch dieses so überflüssigen Aufstandes - wir waren doch auf dem besten Weg gewesen, uns in Camp David auf einen eigenen Staat zu einigen -, habe ich meine Tochter zwei Wochen lang mit dem Taxi zur Schule geschickt. Doch ich sah, dass ich mir diese Ausgabe nicht leisten konnte. Entschuldigend sagte ich ihr also: Fahr wieder mit dem Bus.

Aber pass auf. Schau hin, wenn einer einsteigt, wie er sich verhält. Sei misstrauisch. Ist er nervös? Hat er eine große Tasche dabei? Trägt er oder sie an einem heißen Tag einen dicken Mantel? Wenn ja - geh zum Fahrer, sag ihm deinen Verdacht und steig sofort aus. Oder besser, renn um dein Leben.

Ich gab ihr noch mehr Anweisungen: Setz dich nach hinten, das ist sicherer.