Toronto

Hat hier der dubiose Zeuge Karlheinz Schreiber wieder einmal nur Nebelkerzen geworfen? Oder erreicht Deutschlands Endlosskandal um die Finanzierung der Politik nach CDU und SPD nun die dritte Partei, die CSU? Verdunkelt der riesige Schatten von Franz Josef Strauß noch die Kanzlerkandidatur seines Zöglings, Edmund Stoiber? Als am Dienstagabend sieben Bundestagsabgeordnete Toronto verlassen, ist die Irritation gewaltig. 48 Stunden lang hat eine Abordnung des Untersuchungsausschusses in Kanada verbracht, um die große Sphinx der Affäre zu befragen, Karlheinz Schreiber, den Waffenhändler und Justizflüchtling, den CSU-Spender und Strauß-Freund. Ein Kreis schließt sich.

Vor die Abgeordneten ist jener Mann getreten, um dessen Geschäftsgebaren und dessen Parteispenden die Enthüllungen anfangs kreisten. Ganze drei Jahre später, als Zeuge, packt er endlich aus oder vielleicht besser: Er haut auf die Pauke.

Am Montag, gegen Mittag, tritt Karlheinz Schreiber vor die Residenz des deutschen Generalkonsuls, in dessen Wohnzimmer er den Abgeordneten seine Geschichte erzählt. Zwischen den weißen Säulen im Entreé der Villa bleibt er stehen, in der Hand ein güldenes Herrentäschchen, auf der Nase diese rätselhaft riesige Brille. Ganz unvermittelt sagt er: "Auf dem Konto Maxwell, da hat die CSU Parteispenden gebunkert." Mit vielem haben die Berichterstatter gerechnet, die hier draußen im Nieselregen die Brosamen der Vernehmung auflesen, nicht aber mit einem derart weitreichenden Bekenntnis.

Ungläubige Stille, dann eine Nachfrage: "Sie behaupten damit, auch die CSU habe ein geheimes und illegales Parteifinanzierungssystem gehabt?" - "Ja, natürlich, in der Schweiz, auf Nummernkonten." Sagt's, entschuldigt sich höflich und entschwindet zur Mittagspause in seinem abgedunkelten Jeep Grand Cherokee. War das nun eine Sensation? Oder nur eine Luftnummer?

Seit Jahren versorgt Schreiber die Republik aus seinem kanadischen Exil mit Ankündigungen, Andeutungen, Drohungen. Er ist ein Meister darin, Spannung aufzubauen. Immer benutzt er dazu die Medien, auch diesmal. Dem stern hat er versprochen, er werde bei seiner Zeugenvernehmung über "die Käuflichkeit der Politik am Beispiel einiger Projekte" reden. Und dem Spiegel: "Es wird Überraschungen geben."

Die erste Überraschung besteht darin, dass Schreiber tatsächlich aussagt. In Kanada läuft ein Auslieferungsverfahren gegen ihn, weil er in Deutschland mit Haftbefehl gesucht wird. Angeklagt ist er wegen Bestechung, Steuerhinterziehung in zweifacher Millionenhöhe, Beihilfe zum Betrug und Untreue. Das ist die juristische Chiffre für die politische Frage, ob es Handlanger der Unionsparteien gegeben hat, die "Provisionen" aus staatlich vermittelten Airbus- oder Fuchs-Panzer-Lieferungen in Parteikassen zu schleusen halfen. Und ob Schreiber einer dieser Handlanger gewesen sein könnte. Ein jeder hätte angesichts solcher Vorwürfe die Aussage verweigert.