Es ist gar nicht so leicht, über eine Saga zu schreiben, die man vor 25 Jahren selbst mit Haushaltsgeräten nachgespielt hat. Damals, als aus Staubsaugern R2-D2-Roboter und aus Waschmitteltrommeln intergalaktische Jagdmaschinen wurden, als sich schwarze Wohnzimmertische in Todesplaneten und Teppichklopfer in Laserschwerter verwandelten, war die Welt noch einfach und die Macht mit uns, weil man sowieso nicht so genau wusste, woraus sie eigentlich bestand. Damals, Ende der Siebziger, als George Lucas' Star Wars in die Kinos kam, bestaunten wir die riesigen Raumgleiter, imitierten das technizistische Geschwafel von der dreifachen Lichtgeschwindigkeit und freuten uns, wenn Harrison Ford als Han Solo wieder einmal Antriebsprobleme mit seinem scheppernden Schrottgefährt hatte.

Als Mythensteinbruch funktioniert die Star Wars-Trilogie genauso wie die anderen Ewig-Epen der Populärkultur zwischen Gallien und Entenhausen. Die symbolische Ordnung ist überschaubar, das Inventar vertraut, die Aufgabenstellung klar. Ob Dagobert den Glückstaler von Gundel Gaukeley zurückholt, Asterix und Obelix ein Edelweiß in den Schweizer Bergen suchen oder der junge Skywalker "die Macht ins Gleichgewicht bringt", ist letztlich das Gleiche, auch wenn der transzendentale Bombast und die pseudoreligiöse Rhetorik der Star Wars-Sage etwas anderes suggerieren wollen.

Mühsam geklonte Mythen

George Lucas' milliardenschwere Idee, den ersten drei Star Wars-Folgen einen ebenfalls dreiteiligen Ursprungsmythos voranzustellen, versorgte sein mittlerweile ins 25. Jahr gehendes Science-Fiction-Märchen mit einem einmaligen Selbstbegründungsmechanismus: Während wir uns auf der Handlungsebene ins buchstäblich Prähistorische begeben und es teilweise mit den Großeltern von Figuren der späteren Teile zu tun haben, wird die digitale Technik von Lucas' Science-Fiction-Märchen immer avancierter und entfesselter. Aus den Weltraumlandschaften des Star Wars-Films von 1977 mit seinen liebevoll nachgebauten Meteoriten und urbanen Space-Metropolen sprach noch der fantastische Geist von George Meliès, mit der neuesten Star Wars-Folge Episode II - Angriff der Klonkrieger ist das Science-Fiction-Kino gänzlich in der staubfreien Sterilität und virtuellen Dreidimensionalität der Benutzeroberflächen angelangt.

Damit setzt auch eine inhaltliche Verschiebung ein, die bereits in Episode I - Die dunkle Bedrohung zu spüren war: Weg vom Mannschaftsgeist eines hybriden Abenteurerhaufens und seinen kleinen Binnengeschichten, die aus Nebenfiguren wie Chewbacca oder dem Laurel-&-Hardy-Roboterpaar R2-D2 und C-3PO eigenständige Miniaturen machten, hin zu einer digitalen Set-Design-Orgie, in der die Hauptfiguren nur mehr ein müder Nachhall jener Zeiten sind, zu denen das Anthropomorphe in der Sternenrepublik noch eine Rolle spielte. Inzwischen wirken die Mitglieder der Serie wie humanoide Derivate, mühsam aus den Stammzellen des Mythos geklont. Seinem vor ein paar Jahren noch polemisch formulierten Ziel, die digitale Technik irgendwann zur Abschaffung der Schauspieler zu nutzen, ist Lucas damit ein Stückchen näher gekommen. Dass die Wirklichkeit für den großen Multiplikator ohnehin nur ein Gadget ist, das, in Visual-Effects-Computer eingespeist, seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt wird, zeigt auch seine Begeisterung für den Drehort Comer See, den er mit der Bemerkung lobte, er sehe aus wie speziell für einen Star Wars-Film entworfen. So hat es auch eine gewisse Konsequenz, die Hauptrolle des jungen Yedi-Ritters Anakin Skywalker mit dem wandelnden Fönfrisürchen Hayden Christensen zu besetzen, der die Aufmerksamkeit keine Sekunde von den abenteuerlich animierten Hintergründen abzieht: viel befahrenen Luftautobahnen, sturmumtobten Wasserplaneten, zentralasiatisch anmutenden Wüstenlandschaften. Sogar die Koffer, die Anakin hinter Prinzessin Padmé herträgt, stehlen ihm noch die Show - ein retrofuturistischer Samsonite-Verschnitt, der sicherlich bald lizensiert auf den Markt kommen wird.

Angesichts der wild wuchernden Digifantasien ist der Inhalt so schnell vergessen wie er erzählt ist. Zunehmend vage geht es auch in dieser Folge der Hexalogie um den New-Agemäßigen Kampf zwischen der guten und der dunklen Seite der Macht. Separatisten bedrohen das Gleichgewicht der Republik, während eine heimlich herangezüchtete Armee der Klonkrieger den Yedi-Rittern beim Kampf um die Demokratie zur Seite stehen soll. Zwischen den Eckpfeilern des Mythos funktioniert die eher träge dahindümpelnde Story wie ein Schwamm, der diverse ideologische Formationen aufsaugt und mittransportiert. So zeigt sich Anakin Skywalker zunehmend von der dunklen Seite der Macht beeinflusst und massakriert in blindem Zorn gleich ein ganzes Dorf samt Frauen und Kindern. Da es sich bei den Opfern um einen fliegenumsurrten Wüstenstamm handelt, der in berberähnlichen Zelten lebt, scheint die Tat allerdings nicht ganz so verwerflich. Aus dem verminten Terrain der Bio-Tech-Diskurse rettet sich Lucas mit einer Einfallslosigkeit, die fast schon wieder komisch ist.

Beim Anblick der seriell herangezüchteten Kämpfer runzelt Ewan McGregors Obi-Wan Kenobi zunächst sorgenvoll die Stirn. "Gar nicht so übel, diese Klonkrieger", heißt es dann aber nach der Entscheidungsschlacht.