Spiegel: Was ich gehört habe ist, dass Herr Karsli zwar zurückgetreten ist als FDP-Mitglied, dass aber Herr Möllemann gesagt hat, er bleibt natürlich weiter Mitglied in der FDP-Fraktion des nordrhein-westfälischen Landtages. Das ist eine Mogelpackung, muss ich Ihnen ehrlich sagen.

Durak: Und Sie fordern, dass die FDP darauf drängt, Herrn Karsli, der ja parteilos ist, aus der FDP-Fraktion herauszubringen?

Spiegel: Ich glaube die FDP müsste von selbst darauf achten, dass sie niemanden in ihren Reihen hat, auch nicht in den Fraktionen im Landtag, der durch antisemitische Äußerungen aufgefallen ist. Ich finde das ist ein wichtiges Selbstreinigungsmotiv, was die FDP haben müsste.

Durak: Herr Spiegel, es geht ja nicht nur um Herrn Karsli. Der Fall wird wahrscheinlich sehr bald endgültig bereinigt sein. Sie hatten von Herrn Westerwelle gefordert, sich klar auch von den Äußerungen Jürgen Möllemanns zu distanzieren. Möllemann ist bei seiner neuerlichen Pressekonferenz ja eigentlich um keinen Deut von dem abgewichen, was er Michel Friedman vorgeworfen hat. Was erwarten Sie denn nun?

Spiegel: Ich erwarte von Herrn Westerwelle, dass er sich deutlich davon distanziert, Herrn Friedman verantwortlich für in Deutschland existierenden Antisemitismus zu machen. Wissen Sie das ist eine uralte Masche von Antisemiten, nämlich zu sagen, dass die Juden allein schon durch ihre Existenz oder durch ihre Aussagen zum Antisemitismus beitragen. Solche Äußerungen sind unerträglich und ich muss Ihnen sagen, ich hätte nicht für möglich gehalten, dass das in Deutschland heute wieder öffentlich gesagt werden kann, wie es seit Jahrhunderten immer wieder gesagt wird. Da erwarte ich von Herrn Westerwelle, den ich persönlich schätze, dass er sich nun endlich von dieser unsäglichen Äußerung ohne wenn und aber distanziert.

Durak: Herr Spiegel, ist das nur eine unglückliche Formulierung oder ist es tatsächlich so wie Sie vermutet haben, gesagt haben, dass die FDP Antisemitismus Platz gibt?

Spiegel: Ich will nicht sagen das ist eine unglückliche Formulierung, denn Herr Möllemann weiß ganz genau was er sagt. Er weiß genau was er tut, und er tut nichts unüberlegt und er sagt nichts einfach daher. Darum erwarte ich, dass eine Partei, der niemand den Vorwurf macht, dass sie antisemitisch ist, auch nur im entferntesten, auch nicht den geringsten Anschein aufkommen lässt, dass sie Platz hat für antisemitische Äußerungen und Strukturen. Noch einmal, damit es klar ist: Weder Herr Friedman noch ich noch irgend jemand anders im Zentralrat hat der FDP irgendwann zu irgendeiner Zeit gesagt, sie hat antisemitische Strukturen oder sie ist besonders antiisraelisch. Das kann niemand gesagt haben. Wir haben sehr wohl das Statement von Herrn Gerhardt in der Nahostdebatte im Bundestag gehört. Wir haben sehr wohl die sehr gute Formulierung des Beschlusses auf dem Parteitag in Mannheim gehört. Nur zwischen diesen Worten und eben Taten auch von Herrn Möllemann, der einen Mann aufnimmt in seine Partei, in seine Fraktion, von dem bekannt ist, wessen Geisteskind er ist, das ist etwas anderes. Es ist etwas anderes, wenn in einer Partei plötzlich jemand ausfallend wird, auffällig wird durch irgendwelche Äußerungen. Mit dem Mann muss man dann sprechen. Aber ihn aufzunehmen, das sind die Dinge, die uns wirklich missfallen, die wir so nicht hinnehmen können, abgesehen von dem Vorwurf, wie ich es eben schon sagte, dass jemand, der den Antisemitismus bekämpft, ihm zu sagen, dass er durch seine Äußerungen zum Entstehen des Antisemitismus beiträgt. So etwas können wir nicht akzeptieren, ist unerträglich.