Am 15. August 1945 verkündete der Tenno Japans Kapitulation über den Rundfunk. Korea jubelte. Dreieinhalb Jahrzehnte nach der Annexion durch Tokyo wollte die Halbinsel wieder einen selbstständigen Staat bilden. Spontan formten sich überall im Lande lokale Selbstverwaltungsorgane. Schon am 6. September beschlossen ihre über 1000 Delegierten in Seoul die Gründung der Volksrepublik Korea. Die neue Regierung war linksorientiert, aber legitim.

Sie hatte mit Moskau und anderen ausländischen Mächten nichts zu tun. Auch im südlichen Teil Koreas waren 70 Prozent der Bevölkerung für den Sozialismus, 14 Prozent zogen den Kapitalismus vor, und 7 Prozent wollten den Kommunismus.

Das ergab im August 1946 eine Meinungsumfrage der US-Militärregierung (USAMGIK).

Der Jubel der Koreaner war verfrüht. Obwohl es nach der Kapitulation Tokyos einige Wochen dauerte, bis sich die Amerikaner auf der Halbinsel zeigten, hatten sie bereits über die nächste Zukunft des Landes entschieden. Diese Weichenstellung, die sich als schicksalhaft für Korea erweisen sollte, erfolgte am 10. August 1945 im Koordinationsausschuss des Außen-, Kriegs- und Marineministeriums in Washington. John McCloy, der damalige Staatssekretär im Kriegsministerium, beauftragte zwei junge Offiziere, innerhalb von 30 Minuten einen Vorschlag zur Aufteilung Koreas in zwei Zonen vorzulegen. Nach dieser Aufteilung sollte die Entwaffnung der japanischen Streitkräfte erfolgen: im Norden durch die sowjetischen Truppen, im Süden durch die Amerikaner. Die beiden Offiziere - einer von ihnen war Dean Rusk, der spätere US-Außenminister - schlugen den 38. Breitengrad als Trennlinie vor.

Am 7. September verkündete der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte für den Fernen Osten, General Douglas Mac Arthur: "Alle Regierungsgewalt über das koreanische Territorium südlich des 38. Breitengrades und dessen Bevölkerung wird einstweilen unter meinem Befehl ausgeübt." Am 8. September ging US-Generalleutnant John R. Hodge mit seinen Einheiten nahe der Hauptstadt Seoul an Land. Die Regierung der neuen Volksrepublik sandte ihm drei Englisch sprechende Koreaner als Begrüßungsdelegation entgegen. Hodge weigerte sich, sie zu empfangen. Die koreanische Regierung war für ihn Luft.

Die US-Militärregierung nahm Sitz im zentralen Regierungsgebäude und ließ das Sternenbanner aufziehen. Im Dezember 1945 beschlossen die Großmächte, dass die Halbinsel einer auf fünf Jahre befristeten Treuhandverwaltung durch die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und China unterstellt werden sollte. Das schweißte noch einmal nahezu alle Koreaner in empörter Opposition zusammen, von den äußersten Rechten bis zur radikalen Linken.

Dann legte sich der Frost des Kalten Krieges auf alle patriotischen Blütenträume. Die USA begannen, Japan als ihren wichtigsten Verbündeten im Nachkriegsasien aufzubauen, der Süden Koreas sollte zur Absicherung des Partners dienen. Die Sowjetunion hielt sich mit dem Korea nördlich des 38.