Der 80-jährige Filmregisseur Homi Wadia ist immer noch ein womanizer und pflegt dieses Hobby mit Stil und Sinn für Tradition. Jeden Freitag lädt er - als Gastgeber der einzige Herr in der Runde - die interessantesten Damen Bombays zum ladies' lunch ein. In seinem altmodischen, abgedunkelten Wohnzimmer sitzen sie um ihn herum: einige Sechzigjährige in knieumspielenden rosa Volantkleidern mit schweren Klunkern um Hals und Handgelenke

eine intellektuelle Nichte aus New York, die auf Kurzbesuch in Indien weilt

eine Cousine aus Karachi, die genervt von den ewigen Schießereien ein paar Monate Erholung in ihrer Heimatstadt sucht

eine nicht mehr ganz junge Schauspielerin, die noch immer vom verblichenen Ruhm zehrt: Darling, have a drop!

Bei großzügig eingeschenkten Gin Tonics wird gekichert und gelästert, bevorstehende Hochzeiten und Scheidungen werden scharfzüngig kommentiert, Neuigkeiten des Clublebens von Bombay ausgetauscht und die Wetten für das Pferderennen am Wochenende vorbereitet. Das Glas immer in der Hand, probieren die Damen der Reihe nach Homis neuen Fitnessstepper aus und bestätigen einander quietschend, dass Sport doch eine furchtbare, unweibliche Angelegenheit sei. Als mit der ortsüblich zweistündigen Verspätung das Essen serviert wird, sind die Herrschaften sämtlich auf entzückendste Weise beschwipst.

Bei Homi Wadias ladies' lunch trifft man zuverlässig auf eine erstaunliche Ansammlung von Exzentrikern, gegen die sich Woody Allens New Yorker Gesellschaft fast wie eine Spießerszene ausnimmt. Typisch Parsen.

Diese älteste der monotheistischen Religionsgemeinschaften, ursprünglich Zoroastrier genannt, hat das wesentlich jüngere Christentum, auch den Islam und das Judentum vielfältig beeinflusst. Darauf sind die meisten Parsen sehr stolz - in aller Regel aber zu vornehm, um Unwissende darüber zu belehren.